Dossier. Qualitätsmanagement
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Normen der Automobilindustrie: Hintergründe und Entwicklung
 
Claudia Brückner
 

Schon lange spielen Qualitätsstandards für Lieferanten, insbesondere der Automobilhersteller, eine wichtige Rolle. Fakt ist, dass Lieferanten ohne QM-Zertifikat nicht in die engere Auswahl als Zulieferer kommen. Dieser Beitrag erläutert die jahrzehntelange Entwicklung der Normen bis zum heutigen Standard.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • wie die ISO 9001 entstanden ist,
  • welche Bedeutung diese Grundnorm für branchenspezifische Normen hat,
  • wie sich die automobilspezifischen Normen entwickelt haben.

 

Entstehung der DIN EN ISO 9001

Aufgrund der wachsenden Komplexität von militärischen und Raumfahrtprodukten entstanden zunächst Normen für diesen Bereich. Im Jahre 1959 wurde in den USA die MIL-Q-9858 Quality program requirements ins Leben gerufen. Mit dieser Norm wurden erstmals Anforderungen an ein Qualitätssicherungssystem gestellt. Aufgrund der guten Erfahrungen im militärischen Bereich zog der industrielle Sektor nach und begann mit der Entwicklung eigener Normen.

Nachfolgende Abbildung zeigt die Entwicklung auf.

Abb. 1:

Entstehung der ISO 9000ff.

Die ISO 9001 wurde in den Jahren 1995 und 2000 einer Revision unterzogen. Diese Grundnorm für das Qualitätsmanagement ist im Dezember 2008 mit einer neuen Revision erschienen.

In der Revision aus dem Jahr 2000 wurden die ISO 9001, 9002 und 9003 durch eine neue Norm ISO 9001 ersetzt und mit ISO 9004 und ISO 9000 ergänzt. Im Jahr 2002 kam die ISO 19011 hinzu, so dass sich die Normenfamilie heute wie folgt darstellt:

Die ISO 9001 bildet die Grundlage für viele branchenabhängige Normen, damit auch für den Großteil der Automobilnormen. Im Folgenden wird dabei auf die Standards eingegangen, die zurzeit innerhalb der Automobilbranche am häufigsten eine Anwendung finden:

Abb. 2:

Die DIN EN ISO 9000 Normenfamilie

  • ISO TS 16949:2009
  • VDA 6.2:2004
  • VDA 6.4:2005

Entstehung der ISO TS 16949:2009

Die ISO-9000er Reihe ist eine branchenübergreifende Norm. Zusätzlich gibt es in einigen Branchen, insbesondere in der Automobilindustrie, kundenspezifische Qualitätsforderungen, die über den Forderungsinhalt der ISO 9001 hinausgehen.

Abb. 3:

Normforderungen der Automobilindustrie

Dies führte dazu, dass sich viele Automobilzulieferer mehrfach zertifizieren lassen mussten. Die Automobilhersteller erkannten dies und einigten sich auf einen einheitlichen Standard, der heute für alle produzierenden Unternehmen weltweite Anerkennung hat. Die ISO/TS 16949. Die Basis der Normen beschreibt nachfolgende Abbildung.

Sie enthielt bei ihrer ersten Ausgabe, die als VDA 6.1 harmonisiert am 31. März 1999 herausgegeben wurde, die Inhalte der DIN EN ISO 9001:1994 im Originaltext. Teilnehmer der Erstellung waren:

  • ANFIA Italien
  • CCFA FIEV Frankreich
  • VDA Deutschland
  • DaimlerChrysler AG Deutschland, USA
  • Ford Motor USA
  • General Motors USA

Am 1.3.2002 wurde die zweite Ausgabe der ISO/TS 16949:2002 veröffentlicht. Sie wurde von folgenden Teilnehmern erarbeitet:

  • International Automotive Task Force IATF
  • BMW, DaimlerChrysler, Fiat, Ford, General Motors, inkl. Opel Vauxhall, PSA Peugot-Citroen, Renault SA, Volkswagen, AIAG USA, ANFIA Italien, FIEV Frankreich, SMMT UK, VDA-QMC Deutschland
  • Japan Automobile Manufacturers Association Inc. JAMA
  • Vertretern des ISO TC 176 »Quality management an quality assurance« als Unterstützung

Die erschienene zweite Ausgabe ISO/TS 16949:2002 basiert gleichfalls auf der ISO 9001:2000. Ebenso wie in ihrer ersten Auflage ist der Wortlaut der ISO 9001:2000 im Originaltext gedruckt.

Die automobilspezifischen Forderungen des VDA Bandes 6.1 4. Ausgabe und der QS 9000 3. Ausgabe wurden in den Texten berücksichtigt, die sich außerhalb der eingerahmten ISO 9001-Anforderungen in dem Regelwerk befinden. Das heißt, die ISO/TS 16949: 2002 auch kurz TS 2 genannt vereint alle bisher existierenden und veröffentlichten Forderungen der amerikanischen und europäischen Automobilhersteller.

Im Jahre 2008 wurde eine neue Auflage der ISO 9001 in Kraft gesetzt. Diese Neuerungen wurden lückenlos in die ISO/TS 16949 übernommen. So erschien 2009 eine dritte Ausgabe der ISO/TS 16949:2009.

Zusätzlich zu den Forderungen der TS ISO 16949 können kundenspezifische Anforderungen, die in weiteren Dokumenten dargelegt werden, zur Anwendung kommen.

Welche der folgenden Handbücher benutzt werden müssen, hängt vom Kunden, vom Produkt oder dem jeweiligen Zulieferwerk ab.

Für Unternehmen, die für Automobilhersteller in den USA arbeiten, und damit früher der QS 9000 unterlagen, gelten folgende mitgeltende Unterlagen:

  • PPAP Produktionsteilfreigabeverfahren
  • APQP Produkt Qualitätsvorausplanung und Kontrollpläne
  • MSA Messmittelfähigkeitsuntersuchungen
  • SPC Statistische Prozessregelung
  • FMEA Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse
  • QSA Qualitätssystem Audit
  • Sanktionierte Interpretationen

Für diejenigen, deren Kunden die VDA 6.1 forderten, gelten vorrangig folgende mitgeltende Unterlagen:

  • Band 1: Nachweisführung - Leitfaden zur Dokumentation und Archivierung von Qualitätsforderungen
  • Band 2: Sicherung der Qualität von Lieferungen Lieferantenauswahl Bemusterung Qualitätsleistung in der Serie
  • Band 3: Zuverlässigkeitssicherung bei Automobilherstellern und Lieferanten
  • Band 4, Teil 1: Sicherung der Qualität vor Serieneinsatz Partnerschaftliche Zusammenarbeit bei Automobilherstellern und Lieferanten
  • Band 4, Teil 2: Sicherung der Qualität vor Serieneinsatz System-FMEA
  • Band 4, Teil 3: Projektplanung

Ein Zertifikat nach ISO/TS 16949 kann nur von produzierenden Unternehmen angestrebt werden.

Für Dienstleister in der Automobilindustrie gibt es eine eigene Norm, die VDA 6.2.

Die Entstehung der VDA 6.2:2004

Die VDA 6.2:2004 stellt die Grundlage für die branchenspezifische Auditierung von Systemen in der deutschen Automobilindustrie für Dienstleister dar.

Am 1.7.2004 trat die neue VDA 6.2:2004 in Kraft. Sie wurde vollständig überarbeitet und der ISO/TS 16949:2002 angepasst. Der Band VDA 6.2:2000 erhielt damit seine Ablösung. Dienstleister können sich nicht nach der ISO/TS 16949 zertifizieren lassen.

Durch eine Zertifizierung nach der zweiten Auflage aus dem Jahre 2004 wird den Dienstleistern in der Automobilindustrie die Möglichkeit gegeben, sich Vorteile auf nationalen und internationalen Märkten zu verschaffen.

Die neue VDA 6.2:2004 ist komplett anders strukturiert als die bisherige Auflage. Sie ist analog der ISO/TS 16949:2002 aufgebaut und verfolgt damit ebenso den prozessorientierten Ansatz. Der gesamte Inhalt der ISO 9001:2000 wurde übernommen und mit Erläuterungen und Zusatzforderungen versehen, die die Inhalte der bisherigen VDA 6.2 weitestgehend enthalten. Das bedeutet, dass der Band eine Höherqualifizierung zur ISO 9001 darstellt.

Die Basis 9001:2000 und damit auch der neue VDA 6.2-Band ermöglicht eine leichtere Integration anderer Managementsysteme, wie zum Beispiel Umwelt, Arbeitssicherheit, Risiko etc.

Das Prozessmodell der ISO 9001 wurde übernommen und die Bedeutung für die Dienstleister rund um das Automobil aufgezeigt. Weiterhin wird in dem Band ein Beispiel für die Prozesskette bei der Realisierung einer Dienstleistung aufgeführt.


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Dipl.-Kff. Claudia Brückner

Dipl.-Kff., ist Inhaberin der Firma CBC Claudia Brückner Consulting. Das Unternehmen unterstützt als strategischer Partner Unternehmen bei der konsequenten Ausrichtung auf ihr Managementsystem. Dabei geht es stets um ganzheitliche Unterstützungsangebote im Bereich des Qualitätsmanagements wie Optimierung der Geschäftsprozesse durch Prozessmanagement, Einführung und Weiterentwicklung von Managementsystemen vornehmlich nach DIN EN ISO 9001:2000 ISO/TS 16949:2002,VDA 6.X. Projektleitung oder Coaching bei Zertifizierungsvorbereitungen, Überprüfung des Managementsystems oder einzelner Prozesse durch interne Audits. Das Portfolio wird abgerundet durch systembegleitende Schulungen. Die Referenzen reichen von Unternehmen der Automobilzulieferindustrie und Logistik über Telekommunikationsunternehmen bis hin zu Bildungsträgern und Unternehmen der technischen Dokumentation. Der Fokus des Unternehmens liegt vorwiegend auf mittelständischen Unternehmen, aber auch große Konzerne und Non-Profit-Organisationen zählen zu den Kunden. Claudia Brückner ist zudem Herausgeberin und Autorin von Fachbüchern zum Qualitätsmanagement.
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