Dossier. Qualitätsmanagement
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Techniken im betrieblichen Umweltschutz und -management
 
Ulrich Tammler
 

Umweltschutzziele und -maßnahmen müssen in ein umfassendes Qualitätsmanagement integriert sein. Dafür stehen praxiserprobte Techniken zur Verfügung, die den von innen und außen an das Unternehmen gestellten Anforderungen gerecht werden.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • welche Techniken es gibt und welche Aufgaben und Anforderungen sie für den Umweltschutz und das Umweltschutzmanagement erfüllen,
  • wie eine erfolgreiche Umsetzung in der Praxis aussehen kann.

 

Der Technikbegriff

Um eine Einordnung der zahlreichen Techniken vornehmen zu können, ist es erforderlich, eine eindeutige Begriffsklärung vorwegzustellen. Unter Technik wird gemäß Duden die »Gesamtheit der Maßnahmen, Einrichtungen und Verfahren, die dazu dienen, naturwissenschaftliche Kenntnisse praktisch nutzbar zu machen«, verstanden. Laut Spur umfasst sie »als Bestandteil seiner Kultur die Gesamtheit der von ihm geschaffenen Mittel und Verfahren zur produktiven Naturaneignung«. Im Vergleich dazu werden die Qualitätstechniken in DIN 55350 bereits konkreter beschrieben: »Anwendung wissenschaftlicher und technischer Kenntnisse sowie von Führungstechniken für das Qualitätsmanagement. Anmerkung: Qualitätstechnik ist derjenige Teil der Technik, dessen Ziel die Erfüllung der Qualitätsforderung ist«. Gogoll und Theden [5] betonen den Problemlösungscharakter: »Als Qualitätstechniken werden Instrumente und Methoden des Qualitätsmanagements bezeichnet, die zum Lösen spezifischer Probleme auf verschiedenen Ebenen eingesetzt werden«.

Es lassen sich zwei Ebenen von Techniken ableiten:

  • die Ebene der Vorgehensweise prozedural, nicht-gegenständlich, zum Beispiel Methoden und
  • die Ebene der Mittel instrumental, gegenständlich, zum Beispiel Werkzeuge, Produktionsanlagen.

Techniken zur Vorgehensweise beinhalten Organisations-, Analyse-, Synthese-, Problemlösungs-, Moderations- und Präsentationstechniken. Auch die meisten Qualitätstechniken gehören dazu. Für Techniken zur Vorgehensweise stellt der Begriff Managementtechniken eine Alternative dar. Der instrumentalen Ebene, also den Mitteln, sind zum Beispiel Fertigungstechniken einschließlich der verwendeten Geräte, Anlagen und Maschinen zuzuordnen.

Abb. 1:

Einteilung von Techniken im betrieblichen Umweltschutz

Techniken des betrieblichen Umweltschutzes

Es wird zwischen Umweltschutz- und Umweltmanagementtechniken unterschieden Abb. 1. Umweltschutztechniken sind im Wesentlichen der instrumentalen Ebene zuzuordnen. Sie umfassen traditionelle Mess-, Planungs- und Entsorgungstechniken, umweltverträgliche Techniken zum Beispiel energie- und rohstoffsparende Produktionstechnologien, Techniken zur Emissionskontrolle und zur Rehabilitation Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme [4]. Diese Techniken werden additiv, das heißt zusätzlich zur wertsteigernden Produktionstechnik und in der Regel nachsorgend end-of-pipe, oder integriert, das heißt in Produktionsprozessen oder Produkten als technologischer Bestandteil, eingesetzt [4].

Durch integrierten Umweltschutz soll die Summe der durch einen Betrieb, einen Prozess oder ein Produkt im Laufe seines Lebenszyklus erzeugten Umwelteinwirkungen minimiert werden [3]. Integrierter Umweltschutz setzt an den Ursachen der Umwelteinwirkungen an, um vorsorgend statt nachsorgend tätig zu werden; auf End-of-Pipe-Techniken soll weitestgehend verzichtet werden. Hiermit wird gleichzeitig ein Beitrag zur Kostenminimierung im betrieblichen Umweltschutz geleistet.

Umweltmanagementtechniken sind dagegen der Ebene der Vorgehensweisen zuzuordnen. Sie zeichnen sich durch strukturiertes und systematisches Vorgehen aus und tragen zur Verringerung der Komplexität von Problemen und Aufgabenstellungen bei. Sie können analog zur Definition der Qualitätstechniken nach Gogoll und Theden als diejenigen Methoden definiert werden, die auf dem Gebiet des Umweltmanagements auf operativer und strategischer Ebene zum Lösen von spezifischen Problemen der Planung, Regelung und Förderung der Umweltschutzmaßnahmen eingesetzt werden [7].

Bereits an dieser Stelle wird der enge Zusammenhang zwischen den beiden Technikebenen im Umweltmanagement deutlich. Umweltschutzmaßnahmen umfassen zwar auch organisatorische Maßnahmen, ebenso aber Techniken zur Vorgehensweise, Anlagen, integrierte und End-of-Pipe-Techniken. Die Ebene der Vorgehensweise bereitet in diesem Fall die instrumentale Ebene durch Planung und Vorgabe von Rahmenbedingungen vor. So baut integrierter Umweltschutz instrumental auf der Erfassung aller stofflichen und energetischen Inputs und Outputs durch Stoff- und Energiebilanzen zur Vorgehensweise auf.

Umweltschutztechniken

Unabhängig von der Einteilung in additive und integrierte Techniken lassen sich Umweltschutztechniken den verschiedenen Umweltmedien und Einsatzbereichen zuordnen, zum Beispiel:

  • Techniken zur umweltverträglichen Erzeugung und Umwandlung von Energie und zur Energieeinsparung,
  • Techniken zum Umgang mit Chemikalien,
  • Techniken zum Strahlenschutz,
  • Techniken zur sparsamen Verwendung von Wasser und zum Umgang mit Abwasser/Abwasserreinigung,
  • Techniken zur Vermeidung von Bodenbelastungen und zur Sanierung von Altlasten,
  • Techniken zur Vermeidung von Abfällen und zum Umgang mit Abfällen/Techniken zur Entsorgung beziehungsweise zum Recycling und
  • Techniken zur Vermeidung von Luftbelastungen/Emissionsminderung und zur Luftreinhaltung.

Sämtliche Techniken, die dabei zur Vermeidung oder Minderung der Entstehung von Umwelteinwirkungen beitragen, sind als integrierte Techniken zu bezeichnen, während alle Techniken zum Umgang mit entstandenen Umwelteinwirkungen den additiven Techniken zuzuordnen sind.

Additive Maßnahmen bewirken häufig eine Verlagerung der Problematik. Dies bedeutet zum Beispiel in Hinblick auf die Umweltmedien, dass Schadstoffe aus dem Abwasser entfernt werden können, sich aber innerhalb von Klärschlämmen konzentrieren und im Falle der Notwendigkeit der Verbrennung oder Deponierung Luft oder Boden belasten. Dennoch wird additive Umweltschutztechnik eine hohe Bedeutung behalten, da aus technisch-wissenschaftlichen Gründen oftmals nicht auf sie verzichtet werden kann beziehungsweise Altlasten ihren Einsatz zwingend erforderlich machen. Es ist dennoch zu betonen, dass wo immer es möglich ist der Einsatz von integrierten Techniken, also die Vermeidung von Umwelteinwirkungen von vorn herein, im allgemeinen die wirtschaftlichere Lösung darstellt. In der Regel ist der anlagentechnische Aufwand geringer, die Ressourceneinsparung wird gefördert und Entsorgungskosten entfallen.

Umweltmanagementtechniken

Aufgaben des Einsatzes

Zusammenfassend sind folgende Aufgaben für den Einsatz von Umweltmanagementtechniken zu nennen, die der Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes dienen:

  • Erfassung, Systematisierung und Bewertung externer Forderungen und interner Umweltproblembereiche,
  • Umsetzung der Forderungen durch Problemstrukturierung sowie Verringerung der Komplexität, Nachweis der Umweltleistungen gegenüber Externen, zum Beispiel Behörden,
  • einfache Beseitigung vorrangiger Problembereiche,
  • Förderung einer ganzheitlichen Sichtweise und Aufgabenbewältigung im Sinne des Produktlebenszyklus,
  • Unterstützung des integrierten Umweltschutzes sowie des Vorsorgeprinzips, Planung und Vorbereitung von Umweltschutztechniken,
  • Unterstützung und Verwirklichung der ständigen und innovativen Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes, Förderung des Prozessmanagements unter Einbeziehung von Umweltaspekten.

Umweltbezogene Checklisten

Mit umweltbezogenen Checklisten werden vor allem qualitative Informationen innerhalb des Unternehmens durch systematische Erhebung und Kontrolle der Umweltleistung beschafft, auf deren Basis quantitative Erhebungen, zum Beispiel in Form einer Ökobilanz, durchgeführt werden können. Dies beinhaltet die Überprüfung der Umsetzung externer und interner Forderungen an das Umweltmanagement beziehungsweise an einzelne Produktionsprozesse und Produkte bezüglich organisatorischer, technischer und mitarbeiterbezogener Aspekte [7,13].

Ökobilanz

Der Begriff Ökobilanz wird für verschiedene Modelle der Gegenüberstellung von betrieblichen Eingangs- und Ausgangsgrößen unter Umweltgesichtspunkten verwendet. Im Wesentlichen handelt es sich um Stoff- und Energiebilanzen, in denen die durch die Tätigkeit des Unternehmens hervorgerufenen Umwelteinwirkungen aufgelistet werden. Dies ist eine Voraussetzung für die Beurteilung der Prozesse und Produkte eines Unternehmens und die Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen [7].

Als einfaches und praktikables Modell hat sich die Ökobilanz-Systematik des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung IÖW von Stahlmann durchgesetzt [2]. Auf dieses Modell wird im Folgenden Bezug genommen. Die Bewertung der Bilanzierungsergebnisse mit einer ABC/XYZ-Analyse ist Bestandteil dieser Methode, wird hier aber getrennt behandelt. Die Bilanzierung erfolgt in vier Betrachtungsebenen Abb. 2.


[Die Leseprobe endet hier]
PDFTechniken im betrieblichen Umweltschutz und -management
26 S. € 13,00

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Dr. Ulrich Tammler

Tammler, Ulrich, Dr.-Ing., Robert Bosch GmbH, Abtlg. QS-G, Blaichach
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