EinleitungProdukte müssen die an sie gestellten Beschaffenheitsforderungen erfüllen, um gehandelt und verkauft werden zu können. Anders ausgedrückt: Es müssen »die Produkte mit den Beschaffenheitsforderungen konform sein« oder es muss »die Qualität der Produkte zufriedenstellend sein«. Als Produktkategorien sind zu nennen: Hardwareprodukte/Stückgüter, verfahrenstechnische Produkte/Massengüter, Softwareprodukte, Dienstleistungen oder aber Kombinationen aus diesen Kategorien. Definition: Qualität »Qualität« bedeutet nicht wie im Sprachgebrauch oft irrtümlich verwendet: - Erfüllung der »Beschaffenheitsforderung« allgemein oder der »Kundenforderung« speziell, bedeutet also auch nicht »Konformität« oder »Qualifikation«,
- »Beschaffenheit« die Gesamtheit der Merkmale und Merkmalswerte einer Einheit,
- »Beschaffenheitsforderung« beziehungsweise »Erfordernisse« noch die »Anspruchsklasse« oder die »Sorte«,
- »Qualitätsmanagement« oder »Total Quality Management TQM«.
Vielmehr lautet die genormte Definition von »Qualität« nach DIN EN ISO 9000 »Qualitätsmanagementsysteme: Grundlagen und Begriffe«: - »Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale Anforderungen erfüllt.«
Die Definition spiegelt die Relation zwischen realisierter und geforderter Beschaffenheit Beschaffenheitsforderung, Erfordernisse wider; es sind also Aussagen wie »gute Qualität« und »schlechte Qualität« beziehungsweise differenzierende Aussagen möglich, die die Erfüllung oder Nichterfüllung der Einzelforderungen für die betrachteten Merkmale beschreiben. Definition: BeschaffenheitsforderungDieser Begriff ist explizit nicht mehr in DIN EN ISO 9000 festgelegt, aber diese Norm definiert den Oberbegriff »Requirement«, deutsch missverständlich übersetzt mit »Anforderung« besser und eindeutig hierfür wäre die deutsche Benennung »Forderung«, denn es geht hier nicht um das Erlangen einer Sache: - »Anforderung: Erfordernis oder Erwartung, das oder die festgelegt, üblicherweise vorausgesetzt oder verpflichtend ist.«
Es geht also um die Forderung an die Beschaffenheit einer Einheit, das heißt an die relevanten Merkmale und die Merkmalswerte dieser Einheit zum Beispiel Produkt, Tätigkeit, Person, System. Festlegung der BeschaffenheitsforderungWesentliche Ausgangsstufe für die Beschaffenheitsforderung an ein Produkt ist die Marktforderung, das heißt die Gesamtheit der Kundenwünsche zum Produkt, wie sie mehr oder weniger klar vom Kunden selbst oder nach einer Marktanalyse vom Hersteller ausgedrückt werden. Die Käufer der Produkte interessieren sich dabei oft besonders für die Merkmale und entsprechenden Vorgaben bezüglich der Produktqualitätsaspekte Kundenwünsche werden begrenzt und/oder ergänzt durch die Forderungen der Gesellschaft, wie sie in Gesetzen und gesetzlichen Vorschriften festgelegt oder in ungeschriebenen Verhaltensnormen und gegebenenfalls anerkannten Regeln der Technik vorausgesetzt sind. Staatliche Forderungen betreffen dabei hauptsächlich die Merkmale und entsprechenden Vorgaben bezüglich der Produktqualitätsaspekte - Genauigkeit zum Beispiel bei Prüf-/Messmitteln.
Einzelne Kundenwünsche können durchaus in Konflikt mit einzelnen staatlichen Forderungen stehen, zum Beispiel kollidiert der Wunsch nach hoher Wirksamkeit von Schädlingsbekämpfungsmitteln mit gesetzlich festgelegten Höchstgiftkonzentrationen. Die Beschaffenheitsforderung an das Produkt spiegelt also im Wesentlichen die Kundenforderungen und die staatlichen Forderungen wider. Die Beschaffenheitsforderung wird im Unternehmen im Rahmen der Qualitätsplanung für das Produkt weiterentwickelt, das heißt, sie wird detaillierter und für die Produktrealisierung konkreter gestaltet. Eine Beschaffenheitsforderung kann auch an andere Einheiten als Produkte gestellt werden, zum Beispiel an eine Tätigkeit, einen Prozess, eine Person, ein System. Die Zertifizierung von Produkten und von PersonalDie Grundlage für die Vergabe von Produktzertifikaten und Personalzertifikaten können die in nationalen, europäischen und internationalen Normen festgelegten Beschaffenheitsforderungen gemeinsam mit den entsprechenden genormten Prüfverfahren sein. Die Zertifikate werden von unabhängigen Produkt- und Personalzertifizierungsstellen erteilt. ProduktzertifizierungVoraussetzung für die Vergabe eines Produktzertifikats ist es also, dass die Erfüllung der genormten oder anderweitig festgelegten Beschaffenheitsforderung beziehungsweise die Konformität des Produkts mit dieser Forderung nachgewiesen wird. Dies geschieht anhand von Prüfungen nach einem genormten Prüfverfahren. Die Prüfungen werden dabei von der unabhängigen Produktzertifizierungsstelle selbst, die die Kriterien von DIN EN 45011 »Allgemeine Kriterien für Stellen, die Produkte zertifizieren« beziehungsweise ISO/IEC Guide 65 erfüllt, oder von beauftragten unabhängigen Prüf- oder Kalibrierlaboratorien durchgeführt, die möglichst die Forderungen von DIN EN ISO/IEC 17025 erfüllen. Jede Produktzertifizierung folgt festgelegten Regeln. PersonalzertifizierungEntsprechend wird bei der Zertifizierung von Personal vorgegangen: Stellen, die Personal zertifizieren, sollen die Kriterien von DIN EN ISO/IEC 17024 »Allgemeine Anforderungen an Stellen, die Personen zertifizieren« erfüllen. KonformitätserklärungenFür »Konformitätserklärungen« von Anbietern/Herstellern oder Abnehmern/Kunden werden die Benennungen »Zertifizierung« und »Zertifikat« nicht mehr benutzt, letztere Begriffe werden den Tätigkeiten und Ergebnissen unabhängiger Zertifizierungsstellen vorbehalten siehe DIN EN ISO/IEC 17050-1 und 17050-2. Die Zertifizierung von QualitätsmanagementsystemenPrivate oder staatliche Kunden beziehungsweise Abnehmer von Produkten, insbesondere wenn sie Weiterverarbeiter oder Verteiler dieser Produkte sind, verlangen von ihren Lieferanten, dass die zu liefernden Produkte die gestellten Beschaffenheitsforderungen erfüllen. Am fertigen Produkt können zum Nachweis der Erfüllung eines Teils der Beschaffenheitsforderung Prüfungen durchgeführt werden. Bei den meisten Produkten, insbesondere bei komplexen Produkten, lässt sich die Produktqualität durch eine Endprüfung jedoch nicht vollständig erfassen, das heißt, es kann am fertigen Produkt nicht mehr festgestellt werden, ob oder inwieweit jede Einzelforderung erfüllt ist. Typprüfungen, Annahme-Stichprobenprüfungen oder andere Prüfungen liefern trotzdem wichtige und oft unentbehrliche Erkenntnisse über die Produktkonformität. Vertrauen in die QualitätsfähigkeitEs ist meist unmöglich, dass ein Kunde die Entstehung aller Produkte beim Hersteller beobachtet, um zu erfassen, ob alle Einzelforderungen zu sämtlichen interessierenden Merkmalen erfüllt werden. Außerdem verbietet sich dies aus wirtschaftlichen Gründen. Die konkrete Gewissheit über die Erfüllung der Beschaffenheitsforderung bei jedem einzelnen Produkt ist also nicht möglich. Deshalb benötigt der Abnehmer wenigstens Vertrauen in die Qualitätsfähigkeit seiner Lieferanten, das heißt Vertrauen in ihre Fähigkeit, die Beschaffenheitsforderung zu erfüllen. Vertrauen muss insbesondere gebildet werden, - wenn noch keine langen Abnehmer-Lieferanten-Beziehungen bestehen,
- wenn Verschärfungen zum Beispiel aus Produkthaftungserwägungen neue Lieferantenbewertungen erfordern und
- wenn neue Lieferanten aus dem regionalen oder weltweiten Lieferantenpotenzial hinzugenommen werden sollen.
Das Vertrauen dürfte dann gerechtfertigt sein, wenn der Lieferant eine wirksame Systematik eingeführt hat, die auf die ständige Erfüllung der Beschaffenheitsforderungen an die Produkte zielt, und wenn er diese Systematik glaubhaft belegen kann. Normung der Forderungen an QualitätsmanagementsystemeMit dem Leitfaden DIN EN ISO 9004 »Leiten und Lenken für den nachhaltigen Erfolg einer Organisation Ein Qualitätsmanagementansatz« steht eine Hilfe zur Errichtung einer solchen Systematik, nämlich eines Qualitätsmanagementsystems, zur Verfügung. QM-Systeme lassen sich nicht normen. Das QM-System eines speziellen Unternehmens muss die speziellen Gegebenheiten des Unternehmens widerspiegeln. [Die Leseprobe endet hier] |