Dossier. Führung
Digitale Fachbibliothek Human Resource Management
Neue Formen betrieblicher Arbeitsorganisation und Mitarbeiterführung     
Verbales Präsentationsverhalten
 
Eberhardt Hofmann
 

Gelangweilte Blicke und unterdrücktes Gähnen der Zuhörer sind Hinweise darauf, dass bei einer Präsentation etwas schiefläuft. Anschauliche und verständliche Formulierungen erzeugen dagegen Interesse und Klarheit beim Zuhörer.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • worin Hindernisse für eine verständliche Gestaltung der Präsentation bestehen,
  • wie sich die »Einfachheit« von Texten ermitteln lässt,
  • wie man mit Versprechern und der Verwendung von Dialekt umgeht.

 

Kommunikationspsychologische Hindernisse für eine verständliche Gestaltung der Präsentation

Von zentraler Bedeutung für die Verständlichkeit ist die Einfachheit, mit der man Zusammenhänge erklärt. Dem Motiv, sich verständlich auszudrücken, steht zuweilen jedoch das Motiv der Selbstdarstellung entgegen. Neben dem, was man rein inhaltlich vermitteln möchte, bringt man mit jeder Art der Kommunikation auch noch drei andere Dinge zum Ausdruck [26]: Man sagt erstens etwas darüber aus, wie man sich die Beziehung zwischen den Kommunikationspartnern vorstellt. Zusätzlich dazu enthält jede Aussage auch immer eine Appellfunktion man will die Zuhörer zu etwas veranlassen. Schließlich sagt man auch noch etwas über sich selber aus man stellt sich selbst dar. Dieser Gesichtspunkt der Selbstdarstellung ist neben dem Sachaspekt der für unser Thema relevanteste. Die Frage: »Konnten Sie bisher meinen Aussagen folgen?« kann zum Beispiel auf der Sachseite die Erkundigung beinhalten, ob alles verstanden wurde. Sie kann aber darüber hinaus auf der Beziehungsseite die Botschaft enthalten: »Ihr könnt mir sowieso nicht das Wasser reichen«, auf der Appellseite die Aussage »Stellt bloß keine dummen Zwischenfrage« und auf der Selbstdarstellungsseite die Aussage: »Ich bin der unumstrittene Fachmann«. Der Sachaspekt steht bei der Kommunikation anscheinend im Vordergrund. Die Bedeutungen der anderen Aspekte sind dabei nicht so offensichtlich, sie müssen eher erschlossen, vielleicht sogar erraten werden. Sie sind auf jeden Fall nicht so eindeutig erkennbar wie der Sachaspekt. Bei einer Präsentation stellt man neben dem Thema immer auch sich selbst dar vgl. [11]. Die Präsentation ist sozusagen eine »Bühne« der Selbstdarstellung, auf der der Präsentierende agiert. Daher ist es wichtig, sich diesen Punkt etwas näher zu betrachten. Der Selbstdarstellungsaspekt der Kommunikation verlockt bei der Präsentation häufig dazu, mit möglichst komplizierten und schwer verständlichen Begriffen zu arbeiten, um sich auf diese Weise als Experte auszuweisen. Außerdem zeigt man den Zuhörern damit auf der Beziehungsebene, dass man mindestens gleichberechtigt, möglicherweise sogar noch höher im Status zu bewerten ist als diese. Verfolgt man mit einer Präsentation das Ziel, sich als Experte darzustellen, der bei den Zuhörern womöglich die Reaktion auslöst: »Ich habe nichts verstanden, das Thema muss wirklich schwierig und der Präsentierende sehr kompetent sein«, dann sollte man in einer möglichst diffizilen Ausdrucksweise präsentieren. Verfolgt man dagegen mit der Präsentation das Ziel, einen Sachverhalt so darzustellen, dass die Zuhörer möglichst viel verstehen, sollte man die weiter unten beschriebenen Möglichkeiten der Steigerung der verbalen Verständlichkeit nutzen.

Unverständlichkeit

Zur Verdeutlichung der Unverständlichkeit verbaler Äußerungen sollen zunächst Beispiele aus der Hypnose und aus Gesetzestexten im Sinne von Negativbeispielen vorgestellt werden. In bestimmten Phasen der Hypnoseinduktion kommt es gerade darauf an, eine für den Klienten möglichst unverständliche Sprache zu verwenden vgl. [2]. Eine solche Textpassage kann folgendermaßen aussehen siehe Kasten:

Gesetzestexte weisen oft eine deutliche Parallele mit dem hypnotischen Text auf; der Leser oder Hörer kann dem Text sehr wahrscheinlich wenig Sinn abgewinnen, wenn er ihn das erste Mal liest. Häufig ändert sich das auch beim zweiten oder dritten Mal nicht. Um eine größtmögliche Verständlichkeit des Gesprochenen zu erreichen, braucht man »nur« genau die gegenteiligen Prinzipien anzuwenden, nach denen die obigen Beispiele konstruiert sind.

Steigerung der Verständlichkeit

Im nachfolgenden Abschnitt werden Ansatzpunkte vorgestellt, mit deren Hilfe man die Verständlichkeit systematisch erhöhen kann.

Diese einzelnen Elemente werden jeweils erläutert und Übungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Zur Steigerung der Verständlichkeit auf verbaler Ebene werden in diesem Abschnitt folgende Ansatzpunkte beschrieben:

  • Verwendung geläufiger Worte,
  • Hauptsätze verwenden,
  • Verben statt Substantive verwenden,
  • anschauliche Begriffe verwenden, Abstraktheit vermeiden,
  • verbale Visualisierung,
  • weitere sprachliche Stilmittel,
  • Wortschatz.

Verwendung geläufiger Worte

Wenn man in einer Präsentation geläufige Worte verwendet, kann man die Verständlichkeit stark erhöhen. Geläufige Worte vergrößern die Schnittmenge zwischen dem Wortschatz des Vortragenden und dem der Zuhörer. Werden Fachbegriffe oder Fremdwörter benutzt, so müssen diese erklärt werden. Man kann natürlich nicht allgemeinverbindlich festlegen, welche Fachbegriffe erläutert werden müssen und welche Begriffe den Zuhörern hinreichend bekannt sind. Es ist daher notwendig, sich im Vorfeld Gedanken über die Zielgruppe der Zuhörer zu machen. Im Zweifelsfall gilt: Sprechen Sie Deutsch!

Das Gleiche gilt für Abkürzungen. Wenn man das erste Mal eine Abkürzung verwendet, sollte sie erklärt werden, wenn man nicht sicher davon ausgehen kann, dass sie allen Zuhörern vertraut ist. Die Verwendung lateinischer Zitate ist bestens dazu geeignet, den eigenen Bildungsstand zu dokumentieren, schließt aber unter Umständen einige Zuhörer systematisch aus.

Hauptsätze verwenden

Verwendet man viele Hauptsätze und wenige Nebensätze, so ist dies für die Verständlichkeit ebenfalls sehr förderlich.

Zur Illustration der Wirkung von Nebensätzen zunächst wieder ein Negativbeispiel: »Derjenige, der denjenigen, der den Pfahl, der an der Brücke, die über die Isar führt, steht, beschädigt hat, anzeigt, erhält eine Belohnung.«

Um eine größtmögliche Verständlichkeit zu erzielen, sollten überwiegend Hauptsätze verwendet werden. Verschachtelte Neben-Sätze sollten dagegen vermieden werden. Sie sind erstens länger als Hauptsätze, daher kann man sie nur schwer im Kurzzeitgedächtnis halten. Sie erschweren zweitens durch ihre komplizierte grammatische Form das Nachvollziehen des dargestellten Sachverhaltes.

Verben anstelle von Substantiven verwenden

Eine weitere Möglichkeit, die Verständlichkeit zu erhöhen, besteht darin, möglichst viele Verben und möglichst wenige Substantive zu benutzen. Jeder von uns hat wahrscheinlich aus dem Beamtendeutsch heraus Erfahrungen, wie sperrig Texte sind, die viele Substantive enthalten. Warum sind Sätze mit vielen Substantiven so schwer zu verstehen? Wenn man viele Substantive verwendet, so liegt das häufig an der so genannten »Nominalisierung«, bei der ein Entstehungsprozess auf einen Endzustand verkürzt wird. Das wirkt auf den Zuhörer verwirrend. Die Nominalisierung ist eine stilistische Fehlkonstruktion. Sie »zwingt« ein Verb in die Form eines Substantivs was sich häufig ungünstig auf die Verständlichkeit auswirkt. Wie kann man nun überprüfen, ob eine Nominalisierung vorliegt? Das ist ganz einfach, man muss nur prüfen, ob sich ein Substantiv durch ein Verb ersetzen lässt. Die Wirkung vieler Substantive soll anhand eines Beispieles aus Langer [15] verdeutlicht werden.

In diesem Beispiel sind die Worte »Entwendung«, »Anwendung«, »Drohung« und »Aneignung« Nominalisierungen. Sie lassen sich sehr leicht durch die Verben »entwenden«, »anwenden«, »drohen« und »aneignen« ersetzen. Die Worte »Delikt«, »Gegenstand«, »Gewalt«, »Person« sind dagegen »richtige« Substantive, sie lassen sich nicht durch Verben ersetzen.

Anschauliche Begriffe verwenden, Abstraktheit vermeiden

Werden abstrakte, unanschauliche Begriffe verwendet, so erschwert dies erheblich die Verständlichkeit. Je anschaulicher dagegen die verwendeten Begriffe sind, desto leichter fällt es den Zuhörern, die verbal vermittelten Inhalte zu verstehen. Die Wirkung eines hohen Abstraktheitsgrades soll zunächst wieder anhand dreier Negativbeispiele verdeutlicht werden:

Die Sprache der oben dargestellten Negativbeispiele ist sehr abstrakt und sehr unanschaulich. Der Begriff »anschaulich« ist dabei wörtlich zu nehmen. Wir verstehen Dinge besser, von denen wir ein geistiges Abbild, eine Anschauung haben. Daher ist es der Verständlichkeit förderlich, Sachverhalte möglichst so zu beschreiben, dass sie vor dem geistigen Auge des Zuhörers bildhaft nachvollziehbar sind. Der Zuhörer soll sich im wahrsten Sinne des Wortes »ein Bild« von dem machen können, was der Vortragende verbal beschreibt. Damit sich der Zuhörer ein möglichst gutes Abbild des Gesagten machen kann, empfiehlt es sich besonders, körperbezogene Formulierungen zu verwenden. Diese sind unserer Erfahrung unmittelbar zugänglich, ja stellen gewissermaßen die Grundstrukturen unseres Denkens dar. Sie sind oft nicht nur anschaulich, sondern zusätzlich auch noch »sinnlich«. Körperliche Grunderfahrungen dienen uns als Grundlinien unseres Denkens, an denen wir auch abstraktere Denkinhalte ausrichten. Sie stellen das eigentliche Grundmuster unseres Denkens dar. In der Kindheitsentwicklung wird zum Beispiel als ein Grundschema des Denkens die Orientierung »oben« und »unten« erworben. Dabei gibt zunächst die unmittelbar körperlich erfahrbare Schwerkraft die Richtungen »oben« und »unten« vor. Diese Sicht der Welt, in oben und unten eingeteilt, wird dann in andere Bereiche des Denkens hineinverlängert, die keinen unmittelbaren körperlichen Bezug mehr haben. Die rein körperlichen Erfahrungen von oben und unten, die jeder Mensch intensiv gemacht hat, dienen dann als Sinnbild für weiterreichende Erfahrungen und Sachverhalte, die scheinbar nichts mehr mit der ursprünglichen, rein körperlichen Erfahrung zu tun haben, in Wirklichkeit aber stark von dieser bestimmt sind. Zum Beispiel sind die Temperaturen oben oder unten, die Aktienkurse bewegen sich nach oben oder nach unten. Auf noch abstrakterer Ebene gibt es ein gesellschaftliches Oben und Unten oder man fühlt sich »high« oder »down«. Abstraktere Denkinhalte in körperbezogenen Formulierungen auszudrücken, bedeutet daher, die Sachverhalte auf unsere ursprünglichste Denkart zurückzuführen. Abstrakte Sachverhalte und Beschreibungen werden durch eine Formulierung, die körperliche Analogien benutzt, von der abstrakten Ebene »heruntertransformiert« auf eine sinnlich nachvollziehbarere Ebene.


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Eberhardt Hofmann

Eberhardt Hofmann, Jahrgang 1959, Studium der Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie, Tätigkeit im Bereich Personalenwicklung bei verschiedenen Großunternehmen
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