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Paraverbales und nonverbales Präsentationsverhalten
 
Eberhardt Hofmann
 

Jeder Vortrag profitiert stark von einem selbstsicheren Auftreten des Präsentierenden. Mit dem bewussten Einsatz von Gestik, Mimik, Stimmführung und Blickkontakt gewinnen Sie die Aufmerksamkeit und fesseln Ihr Publikum.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • worin sich para- und nonverbale Signale unterscheiden,
  • wie die beiden Signalarten auf den Zuhörer wirken,
  • wie sich non- und paraverbales Präsentationsverhalten trainieren lässt.

 

Para- versus nonverbale Signale

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den so genannten paraverbalen und nonverbalen Verhaltensweisen eines Präsentierenden und ihrer Wirkung auf die Zuhörer. Paraverbale Signale sind alle Signale, die hörbar sind, also zum Beispiel auf einen Kassettenrekorder aufgenommen werden können, sich aber im engen Sinne nicht auf den Inhalt beziehen. Mit Hilfe paraverbaler Signale wird zusätzlich zu dem rein verbalen Inhalt noch darüber hinausgehende Information transportiert, die auch etwas über die Person des Präsentierenden aussagt. Derselbe Text von verschiedenen Personen vorgelesen, kann beim Zuhörer ganz verschiedene Wirkungen erzielen. Diese unterschiedlichen Wirkungen entstehen aus den paraverbalen Signalen, die derjenige sendet, der den Text vorliest. Diese paraverbalen Signale sind etwa auch auf einer Tonbandaufnahme wahrnehmbar, ohne die Person gleichzeitig dazu sehen zu müssen. Wenn man also lernen will, paraverbale Signale gezielt zu verändern, reicht ein Kassettenrekorder dazu vollkommen aus. Nonverbale Signale sind alle Signale, die sichtbar sind, beispielsweise dann, wenn man den Vortrag auf Video aufnimmt und ihn sich dann ohne Ton ansieht. Für eine gezielte Rückmeldung der nonverbalen Signale benötigt man entweder eine Videokamera oder eine Reihe von Zusehern, die das Präsentationsverhalten gezielt beobachten und dem Präsentierenden danach Rückmeldung geben. Wenn die Zuhörer die Selbstsicherheit des Präsentierenden einschätzen sollen, so tun sie das in der Regel aufgrund der paraverbalen und nonverbalen Signale.

Welchen Eindruck erzeugen die verschiedenen Arten von Signalen bei den Zuhörern?

Verbale, paraverbale und nonverbale Signale sind unterschiedlich stark wirksam, wenn es darum geht, bei den Zuhörern den Eindruck von Selbstsicherheit zu erzeugen.

Nach Untersuchungen von Meherabian [18] bestehen circa 55 Prozent der Wirkung der menschlichen Kommunikation aus nonverbalen Anteilen. Die »aussagefähigsten« Körperteile sind dabei die Hände und das Gesicht. Die paraverbalen Anteile wirken zu circa 30 Prozent und die verbal-inhaltlichen Anteile der Kommunikation dagegen nur zu circa 15 Prozent. Bei einer Präsentation kommt demnach den verbal-inhaltlichen Anteilen eine im Vergleich zu para- und nonverbalen Signalen eher geringe Bedeutung zu. Dies wiegt deshalb besonders schwer, da der Hauptteil der Vorbereitungen für eine Präsentation ja in aller Regel genau auf den verbal-inhaltlichen Aspekten liegt und weniger auf den anscheinend sekundären, in Wirklichkeit aber zentralen, paraverbalen und nonverbalen Aspekten der Präsentation.

Die paraverbalen und nonverbalen Aspekte der Kommunikation werden nachfolgend beschrieben. Trainingsmöglichkeiten zu einer gezielten Verbesserung der einzelnen Fähigkeiten werden aufgezeigt. Hinweise und Übungen zu den inhaltlich-verbalen Aspekten der Kommunikation befinden sich im Folgekapitel.

Paraverbales Präsentationsverhalten

Um die verbalen Signale gezielt trainieren zu können, ist es hilfreich, einen im Prinzip beliebigen Text, zum Beispiel einen Zeitungsartikel, einen Auszug aus einem Buch oder einen selbst erstellten Text zur Hand zu haben. Um die paraverbalen Signale überprüfen und gegebenenfalls modifizieren zu können, ist es günstig, das Gesprochene auf Tonband aufzunehmen. Bei der Arbeit mit dem Tonband kommt es zu folgendem, oftmals befremdlichen Effekt: Wenn man die eigene Stimme auf einem Tonband hört, so hört sie sich in der Regel sehr fremdartig an, man glaubt meist gar nicht, dass es die »wirkliche« eigene Stimme ist. Dies rührt daher, dass man selbst der einzige Mensch auf dieser Welt ist, der die Ohren direkt an dem Resonanzkörper hat, mit dem er die eigene Stimme erzeugt. Wir erliegen somit als einziger Mensch einer Wahrnehmungstäuschung bezüglich unserer Stimme. Exakt so, wie wir unsere Stimme auf einem Tonband hören, hören sie alle übrigen Menschen vorausgesetzt natürlich, die Aufnahme hat eine entsprechende Qualität.

Die einzelnen Elemente der paraverbalen Aspekte der Kommunikation sind die Lautstärke, die Modulation, die Pausen, das Sprechtempo, der Gebrauch von Pausenfüllern sowie die Klarheit der Aussprache. Diese Elemente und deren gezielte Veränderung werden nachfolgend beschrieben.

Lautstärke

Das erste paraverbale Signal, das bei einer Präsentation wirksam ist, ist die Lautstärke der Präsentation. Die Lautstärke sollte bei einer Präsentation so gewählt werden, dass alle Zuhörer das Gesagte gut hören können. Sie ist daher auch abhängig von den räumlichen Gegebenheiten. Wird mit zu leiser Stimme gesprochen, so wird dies von den Zuhörern meist als ein Zeichen von Unsicherheit gewertet.

Modulation

Ein zweites zentrales paraverbales Signal ist die so genannte Modulation der Stimme, das heißt ihre Veränderlichkeit. Das Gegenteil von Modulation ist Gleichförmigkeit. Die Stimme kann beispielsweise verändert werden in der Lautstärke, in der Höhe und in der Geschwindigkeit, mit der die Sätze gesprochen werden. Gleichförmige, wenig modulierte Sprache kann schnell dazu führen, dass die Zuhörer ihre Aufmerksamkeit von der Präsentation weg auf andere Dinge richten. Es ist daher sinnvoll, bei einer Präsentation mit möglichst modulierter Stimme zu sprechen, um damit eine große Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erreichen. Man kann in einem weiteren Schritt auch trainieren, die Art der Modulation zu ändern, also in einer Art Meta-Modulation bewusst die Möglichkeiten der Modulation abzuwechseln.

Pausen/Sprechtempo

Das dritte paraverbale Signal betrifft das Sprechtempo beziehungsweise die Pausengestaltung bei einer Präsentation. Manche Menschen sind der Meinung, dass Pausen während des Vortrags eher störend seien, ebenso ist die Idee, man müsse bei einer Präsentation zügig sprechen, weit verbreitet. Für den Zuhörer bedeutet es jedoch eine Überforderung, ohne Pausen zuhören zu müssen. Das Gesagte ist ihm in der Regel neu, er muss es also erst »verdauen«, während es demjenigen, der gerade spricht, ja bereits vertraut ist. Der Zuhörer muss zum Beispiel über einige Sätze nachdenken, einiges rekapitulieren, eigene Beispiele finden, etwas aufschreiben etc. Wahrnehmungsexperimente zeigen, dass ein Zuhörer circa drei Sekunden benötigt, um einen gehörten Satz zu verstehen. Auch kann sich ein Zuhörer nur etwa drei Sätze merken, wenn er keine Chance hat, das Gehörte innerlich zu wiederholen. So gesehen sind aus der Sicht des Publikums gezielte Pausen kein Zeichen von Einfallslosigkeit des Präsentierenden, sondern ein Mittel, das es dem Zuhörer erleichtert, dem Gesagten zu folgen. Darüber hinaus dienen gezielt eingesetzte Pausen dazu, einen eventuellen Verlust des roten Fadens erst gar nicht für die Zuhörer wahrnehmbar zu machen. Wird mit vielen absichtlich gesetzten Pausen gesprochen, so fällt es kaum auf, wenn eine unabsichtliche Pause durch einen momentanen Verlust des roten Fadens entsteht. Wird dagegen ohne Pause vorgetragen und tritt dann eine unbeabsichtigte Pause auf, so ist dieses Stocken für den Zuhörer deutlicher wahrnehmbar. Die absichtlich gesetzte Pause kann auch noch dazu genutzt werden, die Anspannung in der Sprechpause zu reduzieren, indem man in dieser Pause gezielt einen Atemzug für eine entspannende Technik einsetzt. Die Zeit, die man zum Beispiel für einen solchen Atemzug benötigt, ist in der Regel die optimale Länge der Sprechpause. Um die physiologische Wirkung der Atemtechnik bereits bei einem Atemzug zu verspüren, muss man in der Anwendung der Atemtechniken natürlich eine gewisse Übung besitzen.

Pausenfüller

Die Pausenfüller stellen ein weiteres paraverbales Signal dar. Hören Sie sich eine Tonband- oder Videoaufnahme eines von Ihnen gesprochenen Textes an. Achten Sie darauf, ob charakteristische Pausenfüller, zum Beispiel »ähs« oder »ähms« auftreten. Ersetzen Sie die Pausenfüller durch die Anwendung einer Atemtechnik. Meist reicht es schon, sich der Pausenfüller bewusst zu sein, um sie auch gezielt reduzieren zu können.

Klare Aussprache

Ein letztes zentrales paraverbales Signal besteht in der Klarheit der Aussprache. Um eine klare Aussprache zu trainieren, kann man üben, schwierige Sätze laut und deutlich auszusprechen. Eine Steigerung der Schwierigkeit stellt es dar, diese schwierigen Sätze auch noch schnell auszusprechen. Solche schwierigen Sätze sind zum Beispiel Zungenbrecher, Schüttelreime oder Limericks. Eine weitere Steigerung der Schwierigkeit besteht darin, diese schwierigen Sätze auch dann klar verständlich auszusprechen, während man ein Bonbon oder einen Kaugummi im Mund hat.

Nonverbales Präsentationsverhalten

Neben den paraverbalen Signalen sind eine Reihe nonverbaler Signale bei jeder Kommunikation, insbesondere jedoch bei einer Präsentation, wirksam. Wie wichtig nonverbale Signale in der alltäglichen Kommunikation sind, wird besonders bei eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten deutlich, beispielsweise wenn man mit jemandem telefoniert. Stellen Sie sich vor, Sie würden mit einem Chinesen telefonieren, der gerne die Uhrzeit wissen möchte. Wenn Sie nur den verbalen Kanal zur Verfügung haben, wird die Kommunikation sehr schwierig werden. Steht Ihnen dagegen der Chinese direkt gegenüber und deutet mit fragendem Gesichtsausdruck auf sein Handgelenk, so wird Ihnen durch dieses nonverbale Signal wahrscheinlich sofort klar sein, was er von Ihnen möchte. Die nonverbalen Signale können unterschiedliche Funktionen haben: Es gibt nonverbale Signale, die eine Botschaft in sich tragen, zum Beispiel jemandem einen Vogel zeigen oder der gehobene Zeigefinger, um jemanden belehren zu wollen. Diese nonverbalen Signale sind jedoch relativ selten. Weitaus häufiger sind nonverbale Signale, die die verbale Kommunikation begleiten. Sie werden auch Illustratoren genannt und treten hauptsächlich als Handbewegungen Gesten auf. Ohne einen Bezug zu verbalen Signalen bleiben die Illustratoren sehr häufig mehrdeutig. Treten sie allerdings gleichzeitig zu sprachlichen Äußerungen auf, so werden sie zumindest von den Mitgliedern einer Kulturgemeinschaft in der gleichen Art und Weise interpretiert. Zusätzlich zu den genannten Funktionen spielen nonverbale Signale auch noch eine sozial-regulative Rolle. Mit ihnen werden Signale übertragen, die die Beziehungen der kommunizierenden Personen betreffen. Diese sozial-regulative Funktion erfüllt hauptsächlich der Blickkontakt.


[Die Leseprobe endet hier]
PDFParaverbales und nonverbales Präsentationsverhalten
19 S. € 9,50

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Eberhardt Hofmann

Eberhardt Hofmann, Jahrgang 1959, Studium der Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie, Tätigkeit im Bereich Personalenwicklung bei verschiedenen Großunternehmen
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