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Alles wird teurer? Die IT nicht
 
Ursula Löbbert-Passing
 

In den kommenden Monaten ist im IT-Betrieb weiterhin mit einem Rückgang der IT-Stückkosten zu rechnen. Dieser Trend geht aus dem gemeinsam vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Lexta Consultants Group vorgestellten IT trend report hervor.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • welche Entwicklung IT-Verantwortliche für die IT-Kosten bis Mitte 2009 erwarten,
  • wie diese Erwartungen im Zusammenhang mit der bisherigen Entwicklung der IT-Kosten stehen,
  • welche Faktoren für die Veränderungen im Kostenniveau verantwortlich sind.

 

Ein Kostenindex für die IT-Branche

Erstmalig haben dieses Jahr das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW und die Lexta Consultants Group einen Index zur Entwicklung der IT-Kosten aufgelegt.

Ziel ist es, IT-Verantwortlichen einen Eindruck sowohl der aktuellen als auch der für die nahe Zukunft erwarteten Preisentwicklung des Marktes für IT-Leistungen zu vermitteln. Der Index gibt also Auskunft darüber, wie sich die Preise für IT-Leistungen auf dem Markt generell entwickeln und bietet somit Unternehmen einen Anknüpfungspunkt zur Überprüfung der eigenen Konditionen beim IT-Dienstleister.

Der aktuelle IT trend report

Der IT-Index besteht aus zwei Komponenten: Der IT-Trendindex beruht auf den Ergebnissen einer vom ZEW durchgeführten Expertenbefragung über voraussichtliche Preisentwicklungen und aktuelle IT-Trends. Er wird flankiert durch den IT-Benchmarkindex, für den LEXTA Benchmarking-Daten der Jahre 2006 bis 2008 ausgewertet hat.

Der Index wird jährlich ermittelt. Die Ergebnisse sind im Detail abrufbar unter: www.lexta.com/ittrendreport oder www.zew.de/ittrendreport.

IT-Trendindex

Zur Ermittlung des IT-Trendindizes führt das ZEW eine Befragung von rund 200 IT-Experten/EDV-Verantwortlichen aus Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes und ausgewählter Dienstleistungssektoren mit mehr als 100 Mitarbeitern in Deutschland durch. Die Befragung konzentriert sich auf IT-Preisentwicklungen und aktuelle IT-Trends.

Der IT-Trendindex setzt sich aus den drei Teilindizes »Bürokommunikation«, »Datenbanken und SAP-Anwendungen« sowie »Rechenzentrum« zusammen. Sowohl der Gesamtindex als auch die Teilindizes werden entsprechend der Bedeutung der einzelnen Komponenten in einem repräsentativen Unternehmen gewichtet. Die Gewichte des repräsentativen Warenkorbs werden auf der Basis von Daten der Lexta Consultants Group berechnet. Der Index kann Werte von -100 bis 100 annehmen, wobei Werte größer null auf einen Preisanstieg und Werte kleiner null auf sinkende Preise hindeuten.

Die befragten Experten gaben ihre Einschätzung zur allgemeinen Preisentwicklung der einzelnen Komponenten Arbeitsplatzsysteme, E-Mail und Internetzugang, Datenbanken, SAP-Anwendungen, Speicher und Serverbetrieb in den folgenden zwölf Monaten auf einer fünfstufigen Likert-Skala von »stark sinken« bis »stark steigen« an. Der IT-Trendindex spiegelt somit den gewichteten Saldo aus dem Anteil der Experten, der mit steigenden Preisen rechnet, minus den Anteil der Experten, der mit sinkenden Preisen rechnet, wider. Außerdem wurde die erwartete prozentuale Preisentwicklung jeder Komponente abgefragt. Die Berechnung der erwarteten prozentualen Preisentwicklung erfolgte analog.

Der IT-Trendindex liegt derzeit mit einem Wert von -24,5 Punkten im negativen Bereich, was signalisiert, dass die befragten Experten einen Preisrückgang erwarten. Prozentual gewichtet dürfte der Rückgang der IT-Kosten bis Mitte 2009 nach Einschätzung der befragten IT-Experten bei etwas über drei Prozent liegen siehe Abb. 1 und 2.

Abb. 1:

IT-Trendindex Quelle: ZEW/LEXTA

Abb. 2:

Erwartete prozentuale Preisentwicklungen Quelle: ZEW/LEXTA

Bezüglich der einzelnen IT-Kostenkomponenten geht die Mehrheit der befragten Experten davon aus, dass die Betriebspreise in der Bürokommunikation bis Mitte 2009 sinken werden: Der Teilindex für Bürokommunikation, der sich aus den beiden Komponenten »Arbeitsplatzsysteme« sowie »E-Mail und Internetzugang« zusammensetzt, liegt bei -17,9 Punkten. Dabei wird sich dieser Preisnachlass den Erwartungen zufolge auf etwa zwei Prozent belaufen.

Einen noch niedrigeren Wert nimmt der Teilindex für das Rechenzentrum Speicher und Server an. Er liegt bei -57,6 Punkten. Nach Einschätzung der Experten werden die Preise für den Rechenzentrumsbetrieb bis März 2009 um 8,5 Prozent sinken.

Der Trend zu sinkenden Preisen wird durch die Preisentwicklung für Datenbanken und SAP-Anwendungen abgebremst. Der Teilindex, der deren Preisentwicklung bis Mitte 2009 widerspiegelt, hat einen Wert von 15,9 Punkten. Nach Einschätzung der Experten werden die Preise in diesem IT-Segment um fast zwei Prozent steigen.

IT-Benchmarkindex

Der von den IT-Experten erwartete Trend setzt die bisherige Entwicklung der IT-Kosten fort. So zeigt der IT-Benchmarkindex von LEXTA, dass die Kosten für Bürokommunikation und Rechenzentrum seit 2006 gesunken sind, während sich besonders seit 2007 ein Anstieg der Kosten für SAP-Anwendungen abgezeichnet hat siehe Abb. 3.

Abb. 3:

IT-Benchmarkindex 2006-2008 Quelle: ZEW/LEXTA

Für den IT-Benchmarkindex führte LEXTA eine Benchmarkanalyse zur Entwicklung der IT-Kosten von 2006 bis 2008 durch. Der Index ist für das Jahr 2006 auf 100 Punkte normiert.

Die Ergebnisse beruhen auf den folgenden Annahmen: Die Mengen wurden im Betrachtungszeitraum konstant gehalten, um die Preisentwicklung zu isolieren. Grundsätzlich sind alle Preise Komplettpreise, das heißt einschließlich Hardware, Software, Infrastruktur, Service und Support. Nicht betrachtet wurden Telefonie, Mainframe, Mainframe-Speicher, Applikationsbetrieb und -entwicklung, Druck, Webservices, Service-Desk sowie Projekte. Für den Warenkorb wurde von einer marktüblichen Kostenverteilung der untersuchten Komponenten ausgegangen.

Ursachen für die unterschiedlichen Kostenentwicklungen

Der IT-Benchmarkindex liefert dabei nicht nur ein Abbild der Kostenentwicklung in den beschriebenen Bereichen zwischen 2006 und 2008, sondern erlaubt auch eine Analyse der Hintergründe für die unterschiedlichen Veränderungen:

Die Kosten für Bürokommunikation sind seit 2006 von 46 auf 32 Index-Punkte deutlich gesunken. Die wichtigsten Gründe hierfür liegen in einem konstanten Preisverfall bei der Hardware sowie einer anhaltenden Professionalisierung im Betrieb der Arbeitsplatzsysteme. Letztere erlaubt es, steigende Mengen von Arbeitsplatzsystemen mit geringerem Personaleinsatz zu betreiben.

Im Gegensatz dazu zeigt sich ein spürbarer Anstieg der Kosten für SAP-Anwendungen. Diese waren von 2006 zu 2007 nahezu konstant, sind seitdem jedoch deutlich von 16 auf 25 Index-Punkte gestiegen. Verantwortlich für diese Entwicklung sind vornehmlich die in 2008 gestiegenen Wartungskosten für SAP.

Die Kosten im Rechenzentrum sind seit 2006 von 38 auf 25 Index-Punkte gesunken. Dabei werden sinkende Preise sowohl beim Serverbetrieb als auch beim Speicher beobachtet, die sich vor allem auf die technologische Weiterentwicklung und den damit verbundenen Preisverfall bei Hardware zurückführen lassen.

Fazit

Im Zusammenspiel mit den Ergebnissen der Umfrage wird deutlich, dass die Branche grundsätzlich eine Fortsetzung des bisherigen Trends in der Zukunft erwartet. Ob dies tatsächlich so eintreten wird, bleibt abzuwarten. Insbesondere ein Anstieg der Personalkosten, initiiert durch technische Neuerungen, könnte sich in Zukunft deutlich stärker bemerkbar machen als von den Befragten erwartet.

Übertragung der Ergebnisse auf das eigene Unternehmen

Wie können IT-Verantwortliche diese Ergebnisse nun als Ansatzpunkt für Kostensenkungen im eigenen Unternehmen nutzen?

Dazu ist zunächst wesentlich zu beachten, dass der Index Kosten untersucht, also das Produkt aus Menge und Preis. Um die Marktpreisentwicklung zu verdeutlichen, haben wir bei der Index-Berechnung die Mengen über die Jahre hinweg konstant gehalten. Das ist in Unternehmen natürlich üblicherweise nicht der Fall daher können bei steigenden Mengen trotz sinkender Marktpreise höhere IT-Kosten insgesamt entstehen.

Will man die sinkenden Marktpreise also nutzen, um die eigenen IT-Kosten zu senken, bieten sich grundsätzlich zwei Stellhebel an: der Preis und die Menge.

Um den Preis der IT-Leistungen im eigenen Unternehmen zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren, wird üblicherweise ein Marktpreis-Benchmark durchgeführt. Das heißt, der Preis des eigenen Leistungsportfolios wird am Markt »gespiegelt«, um eine Aussage zu erhalten, ob dieser Preis marktüblich, zu hoch oder gar vergleichsweise niedrig ist. Mit dem Ergebnis des Benchmarks können dann die Verhandlungen mit dem Dienstleister über den Preis der IT-Leistungen aufgenommen werden.

Erfahrungsgemäß ist es etwas aufwendiger, die Menge der IT-Leistungen zu reduzieren oder wenigstens konstant zu halten. Üblicherweise beobachten wir ja einen stetig zunehmenden Bedarf an Speicherplatz, Rechenleistung etc. Im Hinblick auf die Prozesse im Unternehmen ist es dann oft einfacher, die Mengen kontinuierlich zu erhöhen, als Ansätze zur Einsparung von Mengen zu finden.


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Dr. Ursula Löbbert-Passing

Dr. Ursula Löbbert-Passing ist Project Manager im LEXTA-Team. Sie promovierte nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik über die Aufwandsschätzung von Softwareprojekten. Parallel sammelte sie drei Jahre praktische Erfahrungen im IT-Projektcontrolling, unter anderem bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Das Kostenmanagement in IT-Projekten ist seither ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. Mit dem Eintritt bei LEXTA 2004 begann sie die Spezialisierung auf verschiedene Themen rund um IT-Kostenoptimierung.
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