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Faktoren der Marktwahl
 
Werner Pepels
 

Märkte im Ausland werden meist mit der Wasserfall-Strategie erschlossen. Dabei stellt sich stets die Frage, mit welchen Ländern gestartet werden soll. Eine sorgfältige Analyse von Chancen und Risiken führt zu Antworten.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • welche Kriterien zur Beschreibung eines Auslandsmarkts relevant sind,
  • auf welche Marktrisiken man sich im Ausland einstellen muss,
  • welche Informationsquellen zur Abschätzung von Risiken zur Verfügung stehen.

 

Marktbeschreibung

Klassierende Indikatoren

Um die Vielfalt der real anzutreffenden Ausprägungen überschaubarer zu machen, wird angestrebt, Indikatoren zu bestimmen, die besonders aussagefähig hinsichtlich der Klassierung sind. Als solche klassierenden Indikatoren für die Einteilung von Ländermärkten werden folgende herangezogen:

  • Wirtschaft: Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt, Bruttoinlandsprodukt-Zuwachsrate, Investitionsrate in % des BIP, Inflationsrate, elektrische Energieproduktion pro Kopf, Energieverbrauch pro Kopf, Stahlverbrauch pro Kopf, Beschäftigte in der Landwirtschaft in % aller Beschäftigten, Rohstoffe in % des Exports, Pro-Kopf-Einkommen, Anteil der industriellen Wertschöpfung am Brutto-Inlandsprodukt.
  • Gesundheit/Hygiene: Lebenserwartung der Bevölkerung, Kindersterblichkeitsrate, Einwohner pro Arzt, Einwohner pro Krankenhaus.
  • Bildungsniveau: Anteil schreibkundiger Erwachsener, Grundschulabsolventen, Absolventen höherer Schulen, Hochschulabsolventen jeweils pro 1.000 Einwohner.
  • Kommunikation: Auflage der Pressemedien, Radiogerätebesitz, Telefonbesitz, Fernsehgerätebesitz, Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung.
  • Transport/Verkehr: Straßennetz-Kilometer relativ zur Gesamtfläche, Eisenbahnnetz-Kilometer relativ zur Gesamtfläche, Pkw pro 1.000 Einwohner, Schienenfracht in t pro 1.000 Einwohner.

Deskriptive Analysen

Eine andere Form der Analyse geht von folgenden Faktoren aus. Sozio-kulturelle Einflussfaktoren umfassen alle Aspekte der gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen. Dazu gehören zum Beispiel Nachfragerverhalten, religiöse Aspekte, soziale Milieus, Wertvorstellungen, Modernität, Sprache, Ausprägung des Nationalbewusstseins, Sozialverhalten, Konventionen etc.

Technologisch-natürliche Einflussfaktoren umfassen alle Aspekte der naturwissenschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen. Dazu gehören zum Beispiel Technikorientierung, Know-how, Fortschrittsbewusstsein, Automatisierungsgrad, IuK-Technologien, Topografie, Klima, Ressourcenausstattung, Infrastruktur, Kommunikationsmöglichkeiten, Energieversorgung etc.

Erwerbswirtschaftliche Einflussfaktoren umfassen alle Aspekte der infrastrukturellen und einzelwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dazu gehören zum Beispiel Währungssystem, Kaufkraft, Marktstrukturen, Wettbewerbssituation, Bevölkerungszahl, -wachstum, Bruttoinlandsprodukt, -entwicklung, Pro-Kopf-Einkommen, -entwicklung, Einkommensverteilung, protektionistische Maßnahmen, Mitgliedschaft in Wirtschaftsvereinigungen, Zahlungsbilanz, Währungskonvertibilität, Inflationsrate etc.

Und politisch-rechtliche Einflussfaktoren umfassen alle Aspekte der administrativen, ordnungspolitischen und juristischen Rahmenbedingungen. Dazu gehören zum Beispiel Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht, Gewährleistungsansprüche, politisches System etc.

Zu jedem Faktor werden alle relevanten Aspekte katalogisiert. Diese können außerdem nach der Stärke ihres Handlungseinflusses priorisiert werden. Daraus ergibt sich ein grober Überblick über den anvisierten Markt. Diese Form wird als Akronym STEP-Analyse genannt.

Bei der Zusammenstellung handelt es sich meist um eine reine Fleißarbeit. Diese zahlt sich jedoch aus, denn, »Garbage-in Garbage-out«, ein wirkungsvoller Output bedingt einen qualifizierten Input. Ergebnis soll eine aussagefähige Verdichtung aller Faktoren sein, um planungsrelevante Tatbestände pointiert herauszuarbeiten. Dadurch werden zugleich bereits erste Strategieperspektiven eröffnet.

Ländereinteilung

Diese Indikatoren führen dann zur Einteilung der Märkte in Ländergruppen. Meist werden dabei folgende Klassen unterschieden:

  • Less Developped Countries LDC, Least Developped Countries LLDC, Most Seriously Affected Countries MSAC:Ihre Kennzeichen sind in erster Linie eine hohe Analphabetenquote, ein niedriges bis extrem niedriges Pro-Kopf-Einkommen, ein starker Preisanstieg infolge Misswirtschaft, hohe Transport- und Transitkosten, eine geringe Exportquote, ein hoher Schuldendienst, niedrige Währungsreserven sowie eine große Bedeutung des Außenhandels für den Entwicklungsprozess anzutreffen vorwiegend in Afrika, Asien/Ozeanien, Lateinamerika.
  • Newly Industrialised Countries NICs:Dies sind Länder, die prinzipiell als Entwicklungsländer anzusehen sind, aufgrund ihrer ökonomischen Entwicklung jedoch an der Schwelle zum Industrieland stehen Take off Markets.
  • Early Mass Markets / Mature Mass Markets: Dies sind entwickelte Volkswirtschaften mit ansatzweise beziehungsweise komplett ausgebauter merkantiler Infrastruktur. Zugleich steht zu erwarten, dass diese Märkte den Zenit ihrer Entwicklung bald erreichen beziehungsweise schon erreicht haben und daher zwar vom Volumen, nicht aber vom Potenzial her dominieren. Zugleich werden die ökonomischen Bremswirkungen durch ökologische Probleme offensichtlich und dürften in Zukunft noch stark an Bedeutung gewinnen.

Marktrisiken

Risikoarten

Kernrisiken

Ein Dispositionsrisiko entsteht, sofern die Geschäftsaktivitäten eines Unternehmens im Ausland durch Maßnahmen der Regierung, durch soziale und politische Unruhen oder Krieg beeinträchtigt werden.

Das Transferrisiko betrifft die Beeinträchtigung der grenzüberschreitenden Unternehmensaktivitäten durch Zahlungsunfähigkeit. Dabei ist ein Land nicht mehr in der Lage oder bereit, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, das Schuldnerland verhängt dann ein Zahlungsverbot oder Moratorium beziehungsweise die Konvertierung oder Transferierung von Beträgen erfolgt nicht mehr. Weiterhin kommen Wechselkursrisiken in Betracht, wenn sich die Austauschrelationen zwischen den kontrahierten Währungen des In- und Auslands ändern, sowie Handelshemmnisse, wenn die Regierung Einfuhrbeschränkungen und Zölle erhebt.

Das Enteignungsrisiko betrifft den teilweisen oder vollständigen Zugriff der Regierung auf Rechte und Vermögen ausländischer Unternehmen, mit voller beziehungsweise teilweiser oder auch ohne Entschädigung. Dies geschieht durch Enteignung im eigentlichen Sinne, das heißt, die Regierung nimmt Zugriff auf Rechte und Vermögen eines Unternehmens und zahlt eine angemessene Entschädigung. Weiterhin durch Nationalisierung, das heißt, die Verstaatlichung richtet sich gegen eine ganze Gruppe von Unternehmen und ist meistens mit Entschädigungszahlungen verbunden, deren Angemessenheit jedoch dahinsteht. Sowie durch Konfiszierung, welche die gesamte Wirtschaft eines Landes erfasst und im Allgemeinen nur nach Revolutionen vorkommt. Sie ist meist nicht mit Entschädigung für das beschlagnahmte einheimische Vermögen verbunden.

Weitere Risiken sind das Sicherheitsrisiko als Gefahr für Gesundheit, Freiheit und das Leben der Mitarbeiter und ihrer Angehörigen in international tätigen Unternehmen sowie das fiskalische Risiko, das sich aus der landesspezifischen Wirtschaftspolitik ergibt.

Allgemeine Risiken

Hinzu kommen aber noch vielfältige allgemeine Risiken. Dazu gehören unter anderem folgende:

  • kommerzielle Risiken als in der juristischen/natürlichen Person ausländischer Vertragspartner liegende Gründe wie Insolvenz, Zahlungsunfähigkeit, Nichtabnahme/Nichtlieferung, Nichterfüllung von Vertragspflichten, strafrechtlich relevante Handlungen,
  • politische Risiken wie Krieg/Revolution oder dirigistische Maßnahmen von Staaten wie ethnische Unruhen/Bürgerkrieg, internationale Verwicklungen, Ein-/Ausfuhrverbote/-kontingente, Verbot der Gewinnrepatriierung, Konvertierungs- und Transferverbote für Währungsbestände, Änderung gesetzlicher Grundlagen bei Steuern/Abgaben, Enteignung/Verstaatlichung, Krieg, Putsch, West-Ost-, Nord-Süd-Gefälle, Boykott, Embargo,
  • marktliche Risiken durch Änderungen der Marktlage wie Preisverfall, Technologiewandel, Eintritt neuer Konkurrenten, Wandel im Käuferverhalten,
  • kursbezogene Risiken aus Wechselkursänderungen wie Währungsabwertung/Währungsaufwertung, Wechselkursschwankung,
  • elementare Risiken aus Naturereignissen und technischem Versagen wie Überschwemmung, Feuer, Erdbeben, Schiffsuntergang/Flugzeugabsturz, technische Mängel,
  • sonstige Risiken durch Eingriffe Dritter oder eigenes Handeln wie Diebstahl, Verstoß Dritter gegen Gesetze/Vorschriften, Qualitätsmängel, Mitarbeiterfehler/-defizite, Transportrisiken, Kreditrisiken etc.

Risikobewertung

Die Risiken stellen sich von Land zu Land verschiedenartig dar. Insofern bietet sich der Versuch einer einheitlichen Bewertung der Länderrisiken an.

Solche Länderrisikobewertungen Country Ratings setzen bei den mit der unternehmerischen Tätigkeit verbundenen und aus dem Gastland resultierenden Verlustgefahren beziehungsweise Gefahren der Beeinträchtigung oder Nichterreichung unternehmerischer Zielsetzungen an, die aus der gesamtwirtschaftlichen, politischen und soziokulturellen Situation eines Landes resultieren. Die Länderrisiken können mit Hilfe spezieller Untersuchungsansätze bestimmt werden. Zur Anwendung kommen Gruppierungsverfahren durch simultane Bewertung aller Determinanten zum Beispiel Checklist und Filterverfahren durch sukzessive Bewertung der Determinanten nacheinander zum Beispiel aspektweise Eliminierung.


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PDFFaktoren der Marktwahl
24 S. € 12,00

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Prof. Werner Pepels

Werner Pepels studierte nach kaufmännischer Berufsausbildung Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften mit den Abschlüssen Diplom-Betriebswirt und Diplom-Kaufmann. Anschließend war er zwölf Jahre, davon drei Jahre selbstständig, als Marketingberater in internationalen Kommunikationsagenturen für renommierte Markenartikler tätig. Dabei stieg er vom Kontakt-Trainee über die Positionen Kontakter, Strategischer Planer, Etat-Direktor, Prokurist bis zum Geschäftsführenden Gesellschafter in einer der seinerzeit größten, rein deutschen Werbeagenturgruppen auf. 1989 wurde er zum Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Marketing, berufen. Er ist durch zahlreiche Beiträge zu Themen aus Marketing, Vertrieb, Werbung und Management in Monografie-, Sammelband-, Lexikon- und Aufsatzform ausgewiesen und in seiner Domäne einer der erfolgreichsten Autoren (über 150.000 verkaufte Auflage) im deutschsprachigen Raum. Er ist u.a. als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, als Studienleiter und Dozent in der Managementausbildung tätig.
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