Einleitung»Die Chance klopft öfter an als man meint, aber leider ist keiner zu Hause.« Will Rogers Grundlage der Abhandlung ist meine zirka zwanzigjährige Tätigkeit als Trainer, Berater und Coach in der Erwachsenenbildung in über 600 durchgeführten Trainings für mittelständische Firmen und Großunternehmen. In den Beratungen und Trainings äußern sich Führungskräfte aus unterschiedlichen Branchen in den letzten Jahren immer häufiger kritisch und besorgt über die Veränderungsprozesse in unserer Gesellschaft, die auch unsere Wirtschaftsstrukturen betreffen. Veränderungsprozesse sind im Sinne von Innovation unbedingt notwendig und zunächst als positive Entwicklung der Unternehmen anzusehen. Wie wir es zurzeit in Deutschland erfahren, führen sie auch zu großen, nicht leicht zu bewältigenden Herausforderungen. Ein bekanntes Bonmot besagt: Nichts ist beständiger als der Wandel. Veränderungen führen global und lokal zu gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Situationen, die jeden Bürger vor neue, teilweise sehr schwierige Aufgaben stellen. Neuerungen, die gestern in Unternehmen eingeführt worden sind, veralten heute bereits wieder. Die schnellen technischen Veränderungen und Neuentwicklungen ganz besonders auffällig in der Multimediatechnik , wirtschaftliche Umstrukturierungen, Fusionen, politische Wechsel, aber auch verändertes Kaufverhalten der Kunden überfordern immer häufiger die wirtschaftlich Handelnden. Trotz hoher Innovationen und Investitionen sind die Absätze und Umsätze mittelständischer und großer Unternehmen in den letzten Jahren je nach Branche häufig um bis zu 50 Prozent gesunken. Neue Gesetze und Verordnungen zum Beispiel Abgasbestimmungen in der Automobilbranche, Rücknahmepflicht von zu entsorgenden Altgeräten in der Entsorgungsbranche oder Umstellung von Mehrweg- auf Einwegverpackungen in der Getränkebranche ziehen starke Organisationsveränderungen und damit einhergehende hohe Investitionskosten nach sich. Solche einschneidenden Veränderungen haben teilweise gravierende Auswirkungen auf die Personal- beziehungsweise Organisationsentwicklung und die zukünftige Planung der Unternehmen. Immer häufiger bekommen Trainer und Berater vom Management zu hören, dass das Unternehmen sich gerade in einem Reorganisations- beziehungsweise einem Umstrukturierungsprozess befindet. Dies ist meist eine vornehme Formulierung für den Personalabbau. Einige Kennzahlen verdeutlichen den gravierenden gesellschaftlichen Wandel: Die Arbeitslosenquote von 11,3 Prozent der 55-64-Jährigen ist erschreckend hoch. Deutschland bleibt im Vergleich von 21 führenden Industrienationen Schlusslicht bei Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Zwischen 1995 und 2004 gingen 1,09 Millionen Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe verloren [1]. Dieser Aufsatz beschreibt die veränderte Lage der deutschen Unternehmen. Er zeigt Ursachen auf, die zu der Situation geführt haben und diskutiert Lösungsmöglichkeiten für die Zukunft. Dabei werden die unterschiedlichen Sichtweisen von Unternehmern und Mitarbeitern beleuchtet. Die anhaltend schwierige Wirtschaftssituation in DeutschlandEs ist bezeichnend, wie sehr sich die wirtschaftliche Entwicklung und damit die betrieblichen Bedingungen in den letzten zehn bis zwanzig Jahren in den meisten deutschen Betrieben verändert haben. In Trainings zu Themen wie zum Beispiel Führungsmanagement, Selbstmanagement, Zeitmanagement, Kommunikation/Information, Motivation, Kundenorientierung oder Rhetorik wird die Problematik der »Veränderungsspirale« vgl. Abb. 1 von Mitarbeitern verschiedener Unternehmen zunehmend angesprochen und zum Inhalt der Trainings beziehungsweise Coachings erhoben.  In den letzten zehn bis zwanzig Jahren rücken Preisdiskussionen, Preisverhandlungen im Vertrieb, Preiskämpfe und Sonderpreisangebote immer stärker in den Mittelpunkt »Geiz-ist-geil-Mentalität«. Der Verbraucher nutzt alle Möglichkeiten der Preisvergleiche, um Niedrigstangebote zu erhalten, insbesondere forciert durch Angebote im weltweiten Internet. Ausschlaggebende Bedingungen, die früher zur Kaufentscheidung geführt haben, verlieren an Gewicht und werden als notwendige, aber nicht mehr hinreichende Voraussetzung für die Kaufentscheidung betrachtet. Zu diesen Bedingungen gehören Faktoren wie hohe Produktqualität, schnelle Lieferbedingungen, guter individueller Service und Beratung in der Dienstleistung sowie kulante Reklamationsabwicklung. Ausschlaggebend ist letztlich immer häufiger das preisniedrigste Angebot, sogar unter Vernachlässigung der bisher ausschlaggebenden Kaufparameter. Infolgedessen sind Absätze und Umsätze rückläufig und damit auch die Produktion der Unternehmen, welche die oben genannten Kaufparameter erfüllen. Dies hat wiederum zur Folge, dass weniger Personal benötigt wird. In der betroffenen Region erhöht sich dadurch die Arbeitslosenzahl, und es verringert sich die insgesamt vorhandene Kaufkraft. Entsprechend verringert sich die Nachfrage nach angebotenen Produkten, was wiederum die Veränderungsspirale neu antreibt: Absätze und Umsätze reduzieren sich weiter. Es stellt sich die Frage, wie sich diese Veränderungsspirale auf die Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland, aber auch in Europa und darüber hinaus auswirkt. Jedes Unternehmen, das sich am Markt etablieren möchte oder am Markt etabliert ist, benötigt ein deutliches Erkennungsmerkmal »Marke«, ein Unternehmensleitbild, nach dem sich die Führung und die Mitarbeiter ausrichten sollen und nach dem der Verbraucher eine Einschätzung des Unternehmens vornehmen kann. Diese Unternehmensleitbilder wirken verhaltens- und leistungssteuernd, identifizierend und profilierend gegenüber Mitarbeitern und Kunden. Die unten dargestellte »Unternehmensleitbild-Torte« vgl. Abb. 2 stellt ohne Anspruch auf quantitative Verteilung jene Leitbilder dar, die von Unternehmen am häufigsten ausgegeben werden. Obwohl sie hier aus analytischen Gründen einzeln aufgeführt sind, setzen sich Firmen in der Praxis häufig mehrere der aufgeführten Leitbilder als Unternehmensziel. Die einzelnen »Tortenstücke« sind nun am Markt weitgehend verteilt. Unternehmen, die expandieren oder den Einfluss am Markt erhöhen möchten, haben also nur die Möglichkeit, entweder mit anderen Firmen zu fusionieren, Firmen zu übernehmen oder sie zu verdrängen. Diese Strategien können täglich am Markt verfolgt werden; sie lösen in den Unternehmen, aber auch im wirtschaftlichen Gleichgewicht teilweise extreme Veränderungen und damit einhergehend Unruhen aus.  Die Unternehmensleitbild-Torte Ursachen, die zu den Veränderungen geführt habenWelche Ursachen haben dazu geführt, dass Produkte unterschiedlicher Branchen nicht mehr den Absatz finden, den sie noch vor zehn bis zwanzig Jahren gefunden haben? Sicherlich spielen viele Parameter eine Rolle, so dass nicht eindeutig zu verifizieren ist, welche ausschlaggebenden Faktoren zu der veränderten Absatzlage geführt haben. Dennoch deuten folgende politischen und wirtschaftlichen Einschnitte darauf hin, dass sie die bestehende Situation erheblich beeinflussten. - Wiedervereinigung: Die Wiedervereinigung bewirkte zunächst einen enormen Boom unter anderem in der Automobilbranche, der Baubranche, der Versicherungsbranche, der Pharmaindustrie und der Elektronikbranche. Dieser Boom hatte zur Folge, dass kurzfristige Absatzsteigerungen im hohen zweistelligen Bereich zu verzeichnen waren. Der Absatzboom musste aber erwartungsgemäß zurückgehen und Produktionseinbußen nach sich ziehen, nachdem der Nachholbedarf gesättigt war.
- Stetige Steigerung der persönlichen Ansprüche: Einhergehend mit den ausgeklügelten Angeboten in der Werbung schrauben bereits junge Menschen ihre Ansprüche immer höher. Keiner möchte Außenseiter sein und auf die aktuelle Bekleidung und das technische Equipment verzichten. So gelangt der Verbraucher, insbesondere der Kunde von morgen, in immer schwierigere finanzielle Situationen, die er aus eigener Kraft nicht mehr lösen kann.
- Euroumstellung: Die Umstellung von DM auf Euro ist global betrachtet sicherlich ein Fortschritt. Der Verbraucher jedoch spürt sehr deutlich, dass mit der Euroeinführung eine erhebliche Verteuerung der Produkte in bestimmten Bereichen einherging. Eine adäquate Anpassung der Löhne, Gehälter und auch Renten hat nicht stattgefunden.
- Fehlentwicklungen im deutschen Bildungssystem: Der erste »Bildungsbericht für Deutschland« der Kultusminister beklagt »schwerwiegende Fehlentwicklungen« im Bildungssystem. Es gebe zu viele Schulabbrecher, zu wenige Abiturienten und zu wenig Förderung für Schüler aus sozial schwachen Verhältnissen. Der PISA-Test zeigte zwei eindeutige Ergebnisse: Die erfolgreichen Staaten haben schon vor zwanzig Jahren mit der Reform ihrer Bildungssysteme begonnen, sie evaluieren ihre Reformmaßnahmen nach definierten Kriterien und veröffentlichen die Ergebnisse. Wenn Deutschland also wieder zur internationalen Leistungsspitze aufrücken will, ist auch hier zu Lande eine unabhängige, kontinuierliche Berichterstattung über Bildung und deren Effekte dringend erforderlich. Bund und Länder haben hierfür nun die Grundlage geschaffen [2].
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