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Digitale Fachbibliothek Management von IT-Services
Methoden, Umsetzung, Praxisbeispiele     
Was gehört zu einer IT-Strategie?
 
Martin G. Bernhard; Roland Johann Blomer
 

Gute Strategien sind Unikate. Trotzdem gibt es Modelle und Techniken, die zeigen wie man eine gute Strategie entwickelt. Dabei ist die IT-Strategie nur der Anfang. Erfolgreich wird sie erst, wenn sie im Unternehmen gelebt und weiterentwickelt wird.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • wie die methodische Planung eines IT-Strategieprojektes abläuft,
  • wie sie im Unternehmen implementiert wird,
  • warum die IT-Strategie als Prozess gelebt werden muss.

 

Ein Überblick

Die klassische Definition der Strategie lautet nach Brockhaus: »... der Entwurf und die Durchführung eines Gesamtkonzeptes, nach dem der Handelnde in der Auseinandersetzung mit anderen ein bestimmtes Ziel zu erreichen sucht, im Gegensatz zur Taktik, die sich mit den Einzelschritten des Gesamtkonzeptes befasst.«

Als erster Vertreter moderner Strategie allerdings auf der politisch-militärischen Bühne gilt König Friedrich von Preußen, der folgende strategischen Leitlinien verfolgte nach Brockhaus:

  • »Ständiges Bestreben, die Initiative zu behalten
  • Angriff erst auf den einen, dann auf den anderen Gegner
  • Sammeln der eigenen Übermacht an den entscheidenden Punkten
  • Vermeiden langer, hingezogener Kriege«

Die Konversion der Kriegssprache in die Sprache der heutigen Geschäftswelt verwandelt diese Grundsätze in schon oft gehörte Prinzipien:

  • Ständiges Bestreben, die Initiative zu behalten
  • Immer nur ein Ziel angehen, die Aufgaben sequentiell abarbeiten
  • Sich auf die eigenen Kern-Kompetenzen konzentrieren
  • Vermeiden langer, hingezogener Projekte

Strategie als Ansatz zur nachhaltigen Zielverfolgung muss in einem sich verändernden Umfeld unweigerlich Adaption und Nachregeln mit einschließen, wobei die Zielbestimmung noch vor der Strategieerstellung sichergestellt werden muss. Ein besonderes Augenmerk ist bei der Erstellung einer IT-Strategie auf deren Harmonisierung mit der Unternehmensstrategie zu lenken. Davon unabhängig ist, ob die Unternehmensziele und die darauf aufgebaute Unternehmensstrategie als allein führend angesehen werden oder ob beide das Unternehmen und die IT ihre jeweiligen Ziele und Strategien im gegenseitigen Dialog entwickeln. Im IT-Strategie-Projekt werden beide Zielbestimmungen klar formuliert und die Maßnahmen zur IT-Zielerreichung werden erarbeitet und explizit angegeben. Der Beitrag der identifizierten Maßnahmen zur Zielerreichung muss über Indikatoren messbar sein. Sowohl die initialen Ist-Werte dieser Indikatoren als auch deren angestrebte Zielwerte werden zu Beginn der Strategieimplementierung festgelegt. Zu definierten Folgezeitpunkten wird aus dem Ist-Soll-Vergleich dieser gemessenen Indikatorwerte sowie der Zielfortschreibung das weitere Vorgehen bestimmt. Dadurch, dass Ziele in einer sich veränderten Umwelt nicht stationär sein können, muss eine Strategie neben dem Zielerreichungsprozess auch das Potenzial haben, in einem übergeordneten Prozess sogar ihre eigene Veränderung definieren und bewerkstelligen zu können. Vereinfacht gesprochen handelt es sich beim Strategieprozess um das repetitive Durchlaufen zweier Schleifen von Fragen und der daraus abgeleiteten Aktionen siehe Abb. 1.

Abb. 1:

Strategieprozess

Eine Strategie ist also nicht nur ein Plan, der einmal erstellt wurde, sondern ein Doppelprozess, der geplant, erstellt, autorisiert, implementiert und gelebt werden muss.

Das IT-Strategieprojekt

Im IT-Strategieprojekt werden die IT-Strategieprozesse geplant, erstellt, autorisiert und implementiert.

Die Planung des IT-Strategieprojektes

Die Planung dieses Projektes verläuft methodisch nach den Techniken des Projektmanagements.

Als Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg des IT-Strategieprojektes ist jedoch hier schon das absolute Dahinterstehen des gesamten Managements mit allen Konsequenzen nötig, angefangen vom Top-Management bis zum Gruppenleiter. Das Management muss gewillt sein, die beabsichtigten Strategieprozesse als ihre strategischen Managementprozesse anzusehen, die keine anderen neben sich haben und denen man auch bei auftretenden Schwierigkeiten folgt. Das heißt engagierte Mitarbeit bei der Strategieerstellung, Kommunikation und konsequentes Handeln nach den Strategievorgaben. Die erfolgreiche Strategieentwicklung sowie ihre spätere Umsetzung setzt eine ausgeprägte Firmenkultur voraus mit wohldefinierten Zielen, gelebten Leitlinien, Werten, Vertrauen und Disziplin. IT-Strategien ohne diesen Firmenrückhalt und den wichtigsten Elementen einer entwickelten Firmenkultur sind im Grunde genommen wertlos, ein Strohfeuer ohne durchgreifenden Realitätsbezug. Gut praktizierte Strategien sind aber auch firmen-kulturfördernd. Vertrauen und teilweise auch Vertraulichkeit bei der Strategieentwicklung ist schon wegen der Art, der Tiefe und des Umfangs der zu untersuchenden Firmenunterlagen, Fakten und Profile nötig.

Der Erfolg eines Strategieprojektes hängt natürlich auch von der Erfahrung, der Kreativität, dem Wissen und den sozialen sowie kommunikativen Qualitäten seiner Mitarbeiter ab. Eine richtige Mischung von erfahrenen Managern, begabten jungen Hochschulabgängern und engagierten Mitarbeitern aus der operativen Linie im Strategieprojekt motiviert alle Seiten und garantiert kreativ-realistische Ergebnisse. Zudem sollten sich in einem solchen Team auch die Meinungsträger und Meinungsführer befinden für eine überzeugende Kommunikation der Firmen- wie IT-Strategie in alle Hierarchieebenen und Prozesse.

Der Zeitraum für die Planung eines Strategieprojektes sollte in Tagen gemessen werden.

Da Strategie immer auch mit Darstellung, Transparenz und Kommunikation zu tun hat, sollte das Ergebnis der Planungsphase schon eine positiv-motivierende Botschaft an die Mitarbeiter aussenden.

Die Durchführung des IT-Strategieprojektes

Das Ergebnis des Strategieprojektes ist die explizite Darstellung der Strategieprozesse mit ihrer Geschäftsumgebung und ihrem Datenfundament. Da es sich um Prozesse handelt, nämlich Erstellungsprozesse und später nach der Implementierung Ablaufprozesse, ist eine adäquate Toolunterstützung sowohl für die Erstellung als auch für den implementierten Prozessablauf und dessen möglichen Update nicht nur empfehlenswert, sondern Pflicht. Als zentrale Methodik für die Prozesssteuerung wie auch zur Kommunikation dieser Strategieprozesse hat sich die Balanced Scorecard BSC als Mittel der Wahl erwiesen. Die Dauer des Strategieprojekts sollte in Wochen gemessen werden können. Als Ergebnis des Strategieprojektes sollten folgende Punkte erarbeitet und klar dargestellt sein:

  • Ziele, Motivation und Umfang des Projektes
  • Methode, Vorgehen, Projektorganisation, Projektkosten
  • Geschäftsstrategie
  • Mission, Vision, Werte, Ziele, Strategie, strategische Leitsätze und kritische Erfolgsfaktoren
  • Kurze Beschreibung des Geschäfts
  • Die Balanced Scorecard des Geschäftes
  • Möglichkeiten der IT für das Geschäft, strategische Herausforderungen und Prioritäten
  • Ein Statement über das Zusammenwirken von Geschäft und IT
  • Urteil über den organisatorischen Reifegrad des Geschäfts
  • Beurteilung des Ist-Zustandes der IT ausführlich
  • Gegenwärtige Ziele, Strategie, Projekte, Kosten
  • IT-Geschäftsform: Cost Centre, Service Centre, Profit Centre?
  • IT-Organisation und IT-Prozesse
  • Infrastruktur und AppIikationsarchitektur
  • Servicekonzept, Ist-Zustand, Oursourcing-Grad
  • Nutzung der IT, Zufriedenheit, funktionale Lücken
  • Urteil über den organisatorischen Reifegrad der IT
  • Vorstellen des Soll-Konzeptes ausführlich
  • Allgemeiner Ansatz
  • Geschäfts-Balanced Scorecard und IT-Balanced Scorecard
  • IT-Geschäftsform
  • Strategy-Chart mit Ursache-Wirkungsbeziehungen
  • Infrastruktur-, Applikationsarchitektur
  • Service-Konzept

[Die Leseprobe endet hier]
PDFWas gehört zu einer IT-Strategie?
11 S. € 5,50

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Martin G. Bernhard

Martin G. Bernhard ist geschäftsführender Gesellschafter der ECG Management Consulting GmbH in Berlin. Er ist seit 1987 als Management Berater in den Bereichen Strategie, Organisationsentwicklung und Informationsmanagement national und international tätig. Martin G. Bernhard war unter anderem bei Mercer Management Consulting und bei Arthur D. Little International beschäftigt. Er ist Mitherausgeber verschiedener Bücher, wie z.B. "Service-Level-Management in der IT", "Report Balanced Scorecard" und "Balanced Scorecard in der IT", sowie Autor zahlreicher Fachbeiträge.
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Prof. Dr. Roland Johann Blomer

Roland Blomer, Hon.-Prof. Dr. rer.nat, Studium der Theoretischen Physik und Medizin, nach universitärer Tätigkeit Konzentration auf die Informationsverarbeitung und das Informations-Management bei der Hoechst AG. Ab 1989 Leiter der IT des Unternehmensbereichs Landwirtschaft der Hoechst AG, ab 1994 Leiter der IT der neu gegründeten Firma AgrEvo, ein Joint Venture von Hoechst und Schering, ab 2000 Leiter der IT von Aventis CropScience mit Hauptsitz in Lyon, seit 2001 Partner der ECG Management Consulting Berlin und ab 2004 Hon.Prof. an der UMIT - Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik in Hall in Tirol.
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