EinleitungAls Spezialchemieunternehmen hat sich die Degussa AG, Düsseldorf, Forschungsstrukturen geschaffen, die genau auf ihre Zielmärkte und die Anforderungen ihrer Kunden zugeschnitten sind. Weltweit sind über 3.100 Mitarbeiter an mehr als 50 Forschungsstandorten in Forschung & Entwicklung F&E tätig. Der Aufwand für F&E lag 2004 bei 348 Millionen Euro; bezogen auf den Umsatz entspricht dies einer F&E-Quote von 3,1 Prozent. Mittelfristig will Degussa die F&E-Quote in die Größenordnung von vier Prozent steigern. Die Leiter der Geschäftsbereiche tragen als »Unternehmer im Unternehmen« die Verantwortung für mehr als 90 Prozent des Forschungsbudgets. Damit ist sichergestellt, dass die Markt- und Kundenanforderungen direkt in die F&E-Prozesse einfließen. Über die restlichen zehn Prozent des Forschungsbudgets verfügt der Bereich Creavis Technologies & Innovation, in dem Degussa ihre geschäftsbereichs- und portfolioübergreifenden Forschungsaktivitäten gebündelt hat. Die Aufgaben der Creavis Technologies & Innovation umfassen den Aufbau von neuen hochprofitablen Geschäften in wachstumsstarken Märkten und die Entwicklung von zukunftsorientierten Technologieplattformen. Im Fokus stehen neue Technologien, Anwendungen und Systemlösungen für Zukunftsmärkte mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten. Wege zu neuen GeschäftsfeldernAls integraler Bestandteil der Forschung und Unternehmensentwicklung von Degussa koordiniert die Creavis alle Werkzeuge für einen integrierten Innovationsprozess unter einem Dach. Sie verfolgt dabei einen strukturierten und dennoch flexiblen Ansatz beim Aufbau neuer Geschäftsfelder. Der Innovationsprozess der Creavis reicht von der Eruierung zukunftsträchtiger neuer Technologien und Marktbedürfnisse in der Arbeitsgruppe »Business & Ventures« über die technologische Umsetzung erfolgversprechender Ideen in der Arbeitsgruppe »Exploration & Validierung« bis hin zur Markteinführung neuentwickelter Produkte und Technologien in internen Start-ups. In so genannten Projekthäusern erarbeitet darüber hinaus Creavis gemeinsam mit den Geschäftsbereichen neue Technologieplattformen für neue Geschäfte. Ein neues Element des Innovationsprozesses ist das Science-to-Business-Konzept, das Degussa nun in dem Anfang April 2005 in Betrieb gegangenen Science-to-Business-Center Nanotronics umsetzt. Der Begriff Nanotronics steht für das enge Zusammenspiel von Nanotechnologie und Elektronik; Degussa will in dem neuen Center innovative Systemlösungen für die Elektronikindustrie entwickeln, die auf Nanomaterialien basieren. Kern des Science-to-Business-Konzepts ist die gemeinsame projektbezogene Zusammenarbeit von Hochschulen und industriellen Kooperationspartnern unter einem Dach, um wissenschaftliche Erkenntnisse schneller und effizienter als bisher in innovative Produkte umzusetzen. Dabei wird die gesamte Wertschöpfungskette von nanotechnischen Produkten für elektronische Anwendungen abgebildet von der Grundlagenforschung über die Entwicklung von Verarbeitungs- und Veredelungsschritten bis hin zur funktionalen Systemlösung Abbildung 1. Abb. 1: Creavis Creating new businesses for Degussa Business Ventures eröffnet neue GeschäftsoptionenDie Business-Ventures-Gruppe ist der Ausgangspunkt für neue F&E-Projekte der Creavis. Ausgehend von technologischen und gesellschaftlichen Trends sowie von Marktbedürfnissen identifiziert Business Ventures durch Technologie- und Marktanalysen werthaltige Technologie- und Geschäftsoptionen mit hohem Realisierungspotenzial. Dabei spielt neben Technology-Push- und Market-Pull-Optionen das konzernweite Degussa-Netzwerk eine bedeutende Rolle. Der Fokus liegt auf Geschäftsoptionen, die innerhalb eines Zeitfensters von drei bis zehn Jahren realisiert werden können. Die Gruppe unterstützt Projekte der Bereiche Exploration & Validation und des Science-to-Business-Centers Nanotronics und berät die internen Start-ups bei der Entwicklung von Strategie- und Geschäftsmodellen bis hin zur Markteinführung. Die Business-Ventures-Gruppe analysiert sich neu entwickelnde Technologien und identifiziert den potenziellen Bedarf von Degussa-Kunden mit dem Ziel neue Forschungs- und Entwicklungsprojekte beziehunsweise interne Start-ups anzustoßen. Business Ventures erarbeitet sich mit weltweitem Horizont profundes Wissen über Endkundenmärkte und Technologieentwicklungen, um die Risiken zu reduzieren, die sich aus dem Eintritt in neue Märkte und der Marktdynamik und den fortschreitenden Technologieentwicklungen ergeben. Wenn Arbeitsgruppen der Creavis externes technisches Know-how, wichtige Patente oder einen Zugang zum Markt benötigen, identifiziert die Business-Venture-Gruppe Optionen und Targets für strategische Partnerschaften, Beteiligungen oder Akquisitionen von kleineren Unternehmen. Ziel ist es, die Know-how-Lücke zu schließen und den Zeitpunkt bis zum Markteintritt zu verkürzen. Exploration & Validation: Sprungbrett für neue GeschäfteDer Creavis Bereich Exploration & Validierung E&V ist das Sprungbrett für neue Geschäfte. Hier arbeiten hochqualifizierte erfahrene Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachgebieten wie Chemie, Physik, Werkstoffwissenschaften und Ingenieurwissenschaften zusammen. Sie kümmern sich um die Entwicklung marktgerechter Technologien von der Grundlagenforschung bis hin zur Entwicklung und zum Prototyping einsatzfähiger Produkte. Der Bereich führt experimentelle Forschung und Entwicklung im Labor durch, um die technische Machbarkeit der Entwicklungsprodukte zu prüfen, die von der Business-Ventures-Gruppe vorgeschlagen wurden. Dabei werden Parameter wie Marktakzeptanz, Prozessfähigkeit oder Rohstoffsituation intensiv recherchiert, um die Chancen und Risiken beim Aufbau eines internen Start-ups bewerten zu können. Exploration & Validation nutzt dazu die erstklassigen wissenschaftlichen Voraussetzungen und die Einrichtungen des Science-to-Business-Centers Nanotronics. Kompetenzschwerpunkte liegen insbesondere in den Bereichen Nanomaterialien, Foto- und Elektrochemie, Polymerchemie, Sol-Gel-Technologie, Organische Synthese, Halbleiter, Keramikchemie, Analytik und Pilot-Technologie. Sobald sowohl technische Machbarkeit als auch Marktakzeptanz erwiesen sind, wird ein Businessplan erarbeitet und ein neues Start-up ins Leben gerufen. Wesentlich für den Erfolg ist die intensive Zusammenarbeit mit Hochschulen, Forschungsinstituten, Lieferanten und Kunden schon im Frühstadium der Entwicklung. Diese Anforderung wird inbesondere durch den neu entwickelten Science-to-Business-Ansatz verwirklicht. Aktuell bearbeitet Exploration & Validation folgende strategische Projekte im Science-to-Business-Center Nanotronics: - Druckbare elektronische SchaltungenNanomaterialien und Formulierungen für die kostengünstige Herstellung elektronischer Schaltkreise im Massendruckverfahren
- Transportable HochleistungsenergiespeicherNeue Generation von keramischen Separatorsystemen, Elektrolytsystemen und Materialien für Hochleistungselektroden für den Einsatz in Hochleistungs-Lithiumionenbatterien
- Kostengünstige flexible SolarzellenMaterialoptimierung, Systemauslegung und Herstellung von Farbstoffsolarzellen und anderen kostengünstigen flexiblen Systemen
- Kostengünstige DisplaysKosteneinsparung bei wichtigen Elektrodenmaterialien in Displays durch Verwendung von Nanomaterialien und Kosten sparender Verfahrenstechnik
- Continuous Ceramic CoatingsFormulierung flexibler keramischer Beschichtungen für unterschiedlichste Anwendungen
- Ionische FlüssigkeitenEntwicklung neuer flüssiger organischer Salze für Elektrolytsys-teme, Duftstoff-Fixative, Nanopartikelsynthese und elektrochemische Metallbeschichtung
Projekthäuser das innovative Forschungskonzept der DegussaZu den Schlüsselelementen der marktnahen Forschungsstruktur der Degussa zählen die Projekthäuser. Unter Federführung der Creavis Technologies & Innovation bündeln die Projekthäuser das Wissen mehrerer Geschäftsbereiche in zukunftsträchtigen Forschungsschwerpunkten der Spezial- und Feinchemie. Ihre Aufgabe ist die Entwicklung von neuen Technologieplattformen und Produkten und der effiziente Transfer in die Geschäftsbereiche. Wesentliche Organisationsmerkmale sind die Zusammenarbeit von Naturwissenschaftlern, Ingenieuren, Materialwissenschaftlern und Physikern in interdisziplinären Teams, die zeitliche Befristung auf drei Jahre jeder Tag zählt für den Projekterfolg! und die uneingeschränkte Bearbeitung strategischer Projektaufgaben. Die operativen Bereiche senden für die Zeitdauer von drei Jahren ausgewählte Mitarbeiter in die Projekthäuser. Diese erarbeiten Basis-Know-how im Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit und tragen es anschließend wieder in die Geschäftsbereiche. Durch die Zusammenarbeit der Projekthäuser untereinander können zusätzliche Synergien erschlossen werden. Das im Konzern vorhandene Know-how wird so gebündelt, die technischen und personellen Resourcen optimal genutzt, die Synergiepotenziale erschlossen und Kosten und Risiken für den einzelnen Geschäftsbereich minimiert. Am Ende eines Projekthauses steht die Kommerzialisierung der neu entwickelten Produkte und Technologien innerhalb eines Geschäftsbereichs oder in einem internen Start-up Abbildung 2. Abb. 2: [Die Leseprobe endet hier] |