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Customer Driven TRIZ
 
Johannes Maierhofer; Lorenz Maierhofer
 

In Entwicklungsprojekten treffen oft unterschiedliche Sichtweisen und Erwartungen aufeinander und definieren so einen breiten Anforderungsbereich. Die Autoren versuchen mit Hilfe der Methode QFD, diese Anforderungen zu strukturieren und ihnen unterschiedliche TRIZ-Tools und begleitende Methoden zuzuordnen.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • welche Personen typischerweise welche Anforderungen an den Innovationsprozess stellen,
  • welche TRIZ-Werkzeuge und begleitenden Methoden dabei besonders effektiv sind,
  • wie Innovationsansätze und -methoden auf dieser Basis verglichen werden könne

 

Einleitung

TRIZ als Innovations- und Kreativitätsmethode bietet systematische Lösungswege zu schwierigen Problemen und Aufgabenstellungen. Durch die außergewöhnliche Eignung, innerhalb relativ kurzer Zeit hochqualitative Lösungen zu generieren, hat diese Methode in den letzten Jahren im deutschen Sprachraum zunehmend Fuß fassen können. Die Bekanntheit wie auch die Anwendungsfrequenz liegen jedoch noch immer deutlich hinter anderen, intuitiv-kreativen oder systematisch-analytischen Kreativitätstechniken zurück.

TRIZ ist primär TRIZ-Experten selbst bekannt. Die Anwendung der Methode erfolgt in Projekten, in denen innovative Lösungen angestrebt werden, die mit anderen Methoden oder mit Intuition nicht oder nur schwer lösbar sind. TRIZ-Experten sprechen von TRIZ-Projekten. Deren Kunden sind allerdings unabhängig von der eingesetzten Methode auf der Suche nach Lösungen, die ihr Problem beseitigen, den Bedarf erfüllen beziehungsweise deren Ziele erreichbar machen.

In diesem Zusammenhang ist allein der sprachliche Zugang schon eine Hürde für einen Ruf der Kunden nach einem TRIZ-Projekt. Er erschwert es, die beiden Sichtweisen zu verbinden, obwohl sie sachlich, aber auch in ihrem Zugang verbindbar erscheinen sollten. Das liegt zum größten Teil daran, dass »TRIZ-Experten« in ihrem Schema unter ihrem »psychologischem Trägheitsvektor« denken und aus jedem Problem eine TRIZ-Aufgabe zu machen trachten. Der Kunde hat im Gegenzug das simple Bedürfnis einer Lösung für eine konkrete Aufgabenstellung. Während der Kunde also nach einer Lösung sucht, bietet der Experte nicht selten eine Methode, aber vorerst noch keine Lösung an.

Wofür TRIZ nun wirklich verwendbar ist, lässt sich auf den ersten Blick oft gar nicht sagen und ist manchmal selbst Experten vor dem Hintergrund ihrer methodischen »Beseeltheit« nicht bewusst. Im System der »Customer Driven Innovation« gibt es mit Quality Function Deployment QFD eine Methode, die darüber Aufschluss geben kann. Sie gestattet einen Blick auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden und damit den Vergleich und die Analyse einzelner methodischer Werkzeuge in ihrer praktischen Bedeutung und Anwendung. Was also liegt für einen »Innovationsmanager« der noch dazu TRIZ-Experte zu sein glaubt näher, als das System einmal aus der anderen Sichtweise, nämlich aus der Sicht der Kundenorientierung, zu beleuchten?

Weil die Sicht des Kunden allein oft nicht entscheidend ist, wurde die methodische Betrachtung um eine Dimensionen erweitert: Für Projekte mit Förderfinanzierung ist nicht nur der Kunde, sondern auch der Fördergeber interessant, es gibt Mitbewerber nicht nur für den Kunden, sondern auch für die Methode und den Experten, es gibt methodische und fachspezifische Experten und so weiter.

Auf Basis der Methode QFD kann diese Orientierung an unterschiedlichen Einflussgebern Stakeholdern genutzt werden, um einen umfassenden, alle Interessenlagen ausleuchtenden Blick auf die Aufgabe der methodischen Lösungssuche zu erlauben. Es öffnet sich ein breites Feld an Anforderungen an einen methodischen Problemlösungsprozess.

Nicht nur in der Lösungsfindung, sondern auch in Bezug auf die gefundenen Lösungen wird klar, dass zu oft auf rationale und damit zwar richtige, aber nur selten begeisternde Aspekte gesetzt wird. Damit wird eine Betrachtung auch aus dem Blickwinkel der Emotionen interessant. TRIZ und begeistern? Soll TRIZ etwa wie ein »Computerspiel« betrachtet werden? Die Autoren vertreten die Meinung, dass Lösungen, die nicht begeistern, nicht einmal halbe Lösungen sind. Deshalb sind emotionalisierende Faktoren ebenso wichtig wie rationale und technisch fundierte Lösungen.

Dass es dabei um die Zukunft geht, trifft nicht nur für die Anwendung von TRIZ als innovative Methode zu, sondern auch für alle anderen Schritte im Innovationsprojekt. Wer investiert schon absichtlich in die Vergangenheit? Die Zukunft ist jedoch unsicher. Sie zu strukturieren bedeutet, systematisch vorzugehen, das Umfeld auszuleuchten und eine Annahme zu treffen, auf die es sich einzurichten lohnt. Speziell aus Sicht der Auftraggeber, die für generierte Lösungen eine erfolgreiche Verwertung am Markt anstreben, gilt es dabei, Erfolgschancen zu erkennen und gezielt zu verfolgen. Wie kann TRIZ unter diesem Blickwinkel charakterisiert und optimal eingesetzt werden? Eine bewusste Zukunftsorientierung, auch für die Anwendung von TRIZ als »innovative Innovationsmethode«, wird nicht nur für Erklärungen und Argumentationen, sondern auch in der Denkhaltung hin zur erzeugten Lösungen benötigt.

Zur gewählten Vorgehensweise

In Entwicklungsprojekten zeigen sich viele verschiedene, für sich genommen logische und richtige Sichtweisen der Aufgabe und des notwendigen Bearbeitungsprozesses. Entsprechend unterschiedliche Motive und Erwartungen treffen aufeinander, beeinflussen den Lösungsfindungsprozess, die Lösungsbewertung und -akzeptanz sowie schlussendlich auch den aus dem Projekt generierten Erfolg.

Es soll auf den nächsten Seiten der Versuch unternommen werden, diese Anforderungen auf einem abstrakten Niveau zu systematisieren und sie als Basis für eine vertiefte Betrachtung einzelner Methoden zur kreativen Lösung von Aufgabenstellungen heranzuziehen. Die gewählte Vorgehensweise ist eine Adaption der Methode QFD, trägt den Namen »Logic MindGuide« und basiert auf einer Ableitung und Bewertung von Anforderungen aus Sicht unterschiedlicher Einflussgeber.

Stakeholder-Analyse: Wer ist bei der Lösungssuche relevant?

Als erster Schritt einer näheren Betrachtung typischer Entwicklungsprojekte mit ihren Anforderungen gilt es, jene Personen zu identifizieren, die ihre Anforderungen einbringen. Wer ist in entsprechenden Problemlösungs-Projekten relevant und zu berücksichtigen? Es zeigt sich, dass unterschiedliche Einflussgeber mit stark abweichenden Motiven und Rollen zu berücksichtigen sind.

Schon der Bedarfs- beziehungsweise Auftraggeber hat keineswegs immer ähnliche Erwartungen an das zu erzielende Resultat. Er ist auch für den externen Methodenexperten der Auftraggeber, löst das Projekt aus, steuert es und trifft schlussendlich die Entscheidung für oder gegen gefundene Lösungsvarianten. Aus der Tatsache heraus, dass Auftraggeber meist nur für einzelne Phasen der Produktentstehung und -verwertung verantwortlich sind, stellen sie an die Lösung besonders aus ihrem Bereich stammende Anforderungen. So wollen Produzenten zum Beispiel nicht zuletzt Lösungen, die sie selbst fertigen können, während Vertreiber eher marktorientierte Fragestellungen priorisieren.

Neben den Auftraggebern haben oft auch Finanzierungsstellen wesentlichen Einfluss auf das Projekt. Sie bestimmen zeitliche und finanzielle Grenzen oder koppeln Förderungen an bestimmte Bedingungen, die es einzuhalten gilt.

Auch jene, welche die eigentliche Lösungssuche und die kreativen Prozesse durchführen und gestalten, müssen berücksichtigt werden. Dem methodischen Experten steht dafür meist ein heterogenes Team zur Seite, das er durch den Lösungsfindungsprozess moderiert. Dabei ist es seine Aufgabe, Kompetenzen der einzelnen Mitglieder nutzbar zu machen sowie Denkbarrieren zu überwinden. Neben fachlichen Experten aus Entwicklungsabteilungen, Produktion, Vertrieb etc. können dabei auch kreative Außenstehende interessante Ansichten und Ideen einbringen und sollten in keinem Kreativitätsteam fehlen.

In der Entwicklung, und damit auch in der Lösungsfindung, gilt es schließlich auch, die Bedürfnisse und Anforderungen am Markt nicht zu vergessen. Aus Sicht des externen TRIZ-Experten ist damit also auch der »Kunde des Auftraggebers« relevant. Während dieser bei der Lösungsfindung meist keinen direkten Einfluss hat, ist er später in der Verwertungsphase umso entscheidender. Dabei ist neben dem Nutzer auch der Käufer interessant oft, aber nicht immer, dieselbe Person. Er bringt preisliche, vermarktungstechnische und auch emotionale Anforderungen ein.

Für alle diese Stakeholder gilt, dass sie von ihrem Mitbewerb beziehungsweise von Partnern und Kollegen beeinflusst werden. Dieser indirekte Einfluss auf das Projekt und seine Resultate bringt zusätzliche, subjektive Einschätzungen und Meinungen mit sich, die auch negative und blockierende, nicht denkoffene Tendenzen haben können. In die folgenden Betrachtungen sollen diese jedoch nicht direkt einfließen, da sie weitgehend methodenneutral sind und so für einen anforderungsbezogenen Vergleich unterschiedlicher Systematiken kaum interessant sind.

Tabelle 1: Wichtige Einflussgeber im Entwicklungsprojekt

Stakeholder

Bedarfs- und Auftraggeber

Produzent

Bedarfs- und Auftraggeber eines Entwicklungsprojektes, der selbst die Sicht des Produzenten vertritt. Er möchte das Resultat des Projektes schließlich fertigen und sieht generierte Lösungen nicht zuletzt aus diesem Blickwinkel. Der Innovationsprozess wird als Notwendigkeit vor dem eigentlich Interessanten, der Produktion, gesehen.

Vertreiber

Bedarfs- und Auftraggeber eines Entwicklungsprojektes, der selbst die Sicht des Vertreibers vertritt. Er gibt den Entwicklungsauftrag primär deswegen, weil er schließlich das Produkt am Markt vertreiben möchte. Produktion und andere notwendige Tätigkeiten, die zu diesem Ziel führen, spielen für ihn nur eine untergeordnete Rolle, die auch von Externen übernommen werden kann.

Entwickler

Bedarfs- und Auftraggeber eines Entwicklungsprojektes, der selbst die Sicht des Entwicklers vertritt. Er sieht die Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen als sein Hauptgeschäft an. Die Verwertung liegt oft außerhalb seines Zuständigkeitsbereichs.

Finanzier

Der Finanzier hat primär finanzielle Interessen im Entwicklungsprojekt. Er kann ebenso Förderungsgeber wie Investor sein. Für ihn zählt typischerweise, dass kostensensibel entwickelt wird und sich seine getätigten Investitionen schließlich durch einen entsprechenden herzeigbaren beziehungsweise wirtschaftlichen Markterfolg rechnen.

Tabelle 1: Wichtige Einflussgeber im Entwicklungsprojekt Fortsetzung

Stakeholder

Team

Fachexperte

Fachexperten sind jene im Team, die technisch im bearbeiteten Bereich hohe Kompetenzen haben und diese im Entwicklungsteam verwirklichen wollen und sollen. Sie kommen oft aus Entwicklung oder Produktion und bringen vorwiegend technisches Wissen aus ihrem Bereich mit ein.

Kreative

Kreative Köpfe im Entwicklungsteam bringen eine offene Haltung und viele andere Meinungen mit ein. Sie sind etwa Querdenker, Künstler, Außenstehende. Jedenfalls Kräfte, die nicht durch »Fachkompetenz« an einen »Denkbaum« gefesselt sind.

TRIZ Experten

TRIZ-Experten als Innovationsberater, Methodenexperten und Moderatoren bieten Dienstleistungen an, die sich mit der Methode TRIZ, aber auch mit weiteren Innovationsmethoden und Moderationshilfen befassen. Sie stellen die methodischen Experten und Moderatoren im Entwicklungsteam dar.

»Kunde des Kunden«

Benutzer der innovativen Lösung

Der Benutzer der innovativen Lösung ist jener, der das fertig entwickelte, produzierte und am Markt verkaufte Produkt oder die Dienstleistung schließlich verwendet. Er hat die Lösung vom Käufer bekommen und möchte beziehungsweise muss sie nun nutzen. Er ist oft selbst Käufer, in dieser Betrachtung sollen die Rollen »Benutzer« und »Käufer« jedoch getrennt voneinander gesehen werden.

Käufer der innovativen Lösung

Der Käufer erwirbt das aus der Entwicklung resultierende Produkt oder die Dienstleistung am Markt. Er muss die Lösung am Markt angeboten bekommen und sich durch sie emotional angesprochen fühlen. Schon vor der eigentlichen Nutzung muss ein potenzieller Mehrwert erkennbar sein. Er stellt schließlich selbst den Nutzer dar der in der Analyse als separater Einflussgeber gesehen wird oder kauft im Auftrag von jenen, welche die Lösung brauchen.

Tabelle 1: Wichtige Einflussgeber im Entwicklungsprojekt Fortsetzung

Stakeholder

Mitbewerber

Mitbewerb des Bedarfs- und Auftraggebers

Der Auftraggeber wird auch in seiner Rolle im Entwicklungsprojekt von seinem Mitbewerb beeinflusst. Für ihn stellt sich nicht nur die Frage, was der Mitbewerb entwickelt und auf den Markt bringt, sondern auch wann. Schließlich wird er auch im Einsatz der Entwicklungswerkzeuge dadurch beeinflusst, was in der Branche üblich und als »State of the Art« gilt.

Mitbewerb des TRIZ-Experten

Der TRIZ-Experte als methodischer Moderator und Experte im Entwicklungsteam muss sich was Moderation und Methodenauswahl angeht mit anderen Innovations-Managern und methodischen Experten vergleichen lassen.

Mitbewerb des Fachexperten

Fachexperten im Entwicklungsteam haben Kollegen, Vorgesetzte und viele andere, die sie in ihrem Verhalten beeinflussen. Diese stellen Erwartungen und Vorgaben auf, bringen neue Ideen und Verhaltensweisen, aber auch Denkblockaden und Meinungen ein und können bei Misserfolg auch die eigene Position bedrohen.


[Die Leseprobe endet hier]
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Johannes Maierhofer

Mag. Johannes Maierhofer ist seit 1997 als selbstständiger Unternehmensberater in der Beratung von KMU tätig. Nach leitenden Positionen im Bereich Biotechnologie und Forstwirtschaft liegen seine Arbeitsschwerpunkte seither im Innovations-, Kooperations-, Prozess- und Vertriebsmanagement sowie in der Realisierung von Projekten. Neben Lehraufträgen für Innovationsmanagement an der Universität Klagenfurt und an der Akademie für Marketing ist er Entwickler und Anwender der Methode Logic MindGuide und beschäftigt sich neben prozessorientiertem TRIZ intensiv mit der Vermarktung eigener und fremder Innovationen.
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Lorenz Maierhofer

Dipl.-Ing. Lorenz Maierhofer ist seit 2005 selbstständiger Unternehmensberater und Dienstleister im Bereich Innovations-, Prozess- und Vertriebsmanagement. Er entwickelte im Rahmen seiner Diplomarbeit die auf QFD basierende, software-unterstützte Planungs- und Entscheidungsmethode Logic MindGuide und setzt diese in Kombination mit anderen Innovationsmethoden wie TRIZ seit Mitte 2004 in diversen Projekten ein. Ein weiterer Interessenschwerpunkt gilt der Informationstechnologie und speziellen Einsatzgebieten wie künstliche Intelligenz und Web-Applikationen.
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