EinleitungDie IT steckt in einer Art Pattsituation zwischen ökonomischen und ökologischen Anforderungen: Sie muss einerseits bei zunehmendem Kostendruck leistungsfähiger werden. Die kontinuierlich wachsende Bedeutung und Nutzung der IT in Unternehmen führt andererseits zwangsläufig zu mehr CO2-Emissionen. In der Öffentlichkeit wurden durch die Sensibilisierung für das Thema Klimawandel auch Forderungen laut, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, den die IT verantwortet. Aus dieser Forderung entstand der Ansatz der Green IT. Allerdings ist das Thema in jüngster Vergangenheit auch von Trittbrettfahrern für kommerzielle Zwecke ausgenutzt worden. Statt das Konzept seriös und sachlich zu entwickeln, wurden Produkte und Services mit grünem Anstrich auf den Markt gebracht, die mehr versprachen als sie halten konnten. Dies hat dem Thema Green IT geschadet und wurde seiner Relevanz nicht gerecht. Die anhaltenden Debatten über Klimawandel und Energieverbrauch machen die hohe Bedeutung der IT deutlich. Schon heute verursacht sie zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen mit einer stark steigenden Tendenz. Zum Vergleich: Die gleiche Menge an CO2-Emissionen wird durch die weltweite Luftfahrt verursacht [5, S.1]. Was erwartet Sie in diesem Beitrag? Zunächst gilt es, für dieses noch recht junge Themengebiet eine belastbare Definition zu erarbeiten. Anschließend wird ausführlich die ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Relevanz des Gegenstands dargestellt. In der Praxis wird lebhaft darüber debattiert, ob die IT das Problem der CO2-Emissionen und des damit verbundenen Energieverbrauchs ist oder vielmehr ein Teil der Lösung. Im Rahmen dieser Arbeit werden wir zeigen, dass IT beides verkörpert. Hierzu ist es erforderlich, die Rollen der beteiligten Akteure genauer zu analysieren. Im Zuge dessen werden deren Sichtweisen, Interessenlagen und Verantwortung dargestellt. Der Artikel schließt mit Handlungsempfehlungen und einer kurzen Zusammenfassung ab. Definition und BegriffsklärungGreen IT beschäftigt sich grundsätzlich mit der Fragestellung, in welcher Weise die Anwender und Anbieter von Informationstechnologie den ökologischen und ökonomischen Auswirkungen der Nutzung von IT-Geräten und IT-Infrastrukturen Rechnung tragen [10, S. 1]. Eine formale und wirklich einheitliche Definition für Green IT existiert de facto nicht. Dafür ist das Thema zu jung. Außerdem wird der Begriff Green IT in der Wissenschaft und in der Praxis in letzterer erst recht inflationär viel zu heterogen verwendet. Für diesen Beitrag ist allerdings eine Arbeitsdefinition erforderlich: Green IT Im engeren Sinne geht es bei Green IT um die Reduktion der Umweltbelastung, die durch die Produktion der Hardware und ihre Nutzung entsteht. Diese Betrachtung erfolgt über ihren gesamten Lebenszyklus, das heißt von der Herstellung über den Betrieb bis zur Entsorgung [1, S. 1]. Hierbei spielt sowohl der Energieeinsatz während der Produktion und der Nutzung der Hardware eine Rolle als auch die verwendeten Materialen und Produktionsmittel. Im weiteren Sinne steht Green IT für die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien für Leistungen, deren Erbringung ohne IT-Einsatz die Umwelt deutlich mehr belasten würde [1, S. 1]. Hierbei steht die Emissionsreduzierung durch die Anwendung von IT im Vordergrund, zum Beispiel: - Die Nutzung von Videokonferenz-Lösungen kann aufwendige Dienstreisen substituieren [5, S. 2].
- Finanzdienstleister setzen zumindest im deutschsprachigen Raum flächendeckend Online-Banking ein. Hierdurch werden der Kundenverkehr sowie der Papierverbrauch deutlich reduziert [1, S. 1].
- Energieunternehmen profitieren von einer optimierten IT-Steuerung der Energieerzeugung durch intelligente Merit-Order-Systeme. Zudem entfällt das aufwendige Ablesen der Zähler durch den verstärkten Einsatz von Smart-Metering-Lösungen und einer CO2-optimierten Steuerung der Stoffströme in der Erzeugung [1, S. 1].
Unseres Erachtens sollte Green IT daher nicht nur als Energiesparen in der IT, sondern vielmehr auch als Energiesparen durch die IT verstanden werden. Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff Green IT mit »Grüne IT« übersetzt und entspricht inhaltlich der oben aufgeführten Definition. Aus dem angloamerikanischen Raum sind weiterhin die Begriffe Green ICT und Green Computing bekannt. Sie umschreiben nahezu den identischen Sachverhalt, wobei Green Computing auch die energieeffiziente Programmierung von Software umfasst. Grundidee hierbei ist es, möglichst ressourcenschonende Algorithmen und Programme zu entwickeln, die mit einem Minimum von Rechenleistung der Hardware auskommen und in der Konsequenz wiederum energieschonend sind. Der Begriff Green IT ist zwar aus Sicht des Markenrechts geschützt, jedoch sind keine eindeutigen und transparenten Prüfkriterien definiert. Dies eröffnet auch »schwarzen Schafen« die Möglichkeit, den Begriff für ihre vermeintlich grünen Produkte zu nutzen. Die Verbraucher, ob Endverbraucher oder Unternehmen, können aufgrund der nicht vorhandenen Prüfkriterien oft nicht nachvollziehen, ob die angebotenen IT-Produkte und Leistungen tatsächlich »grün« sind oder ob sie nicht doch Opfer eines geschickten Marketings geworden sind. Zuletzt gilt es, eine mögliche Fehlinterpretation des Begriffs Green IT zu klären. IT ist per se nicht »grün« und wird es wohl nie ganz sein [5]. IT wird für ihren Betrieb immer Energie verbrauchen und auch über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg Energie benötigen, das heißt von der Herstellung bis zur Entsorgung. Betrachtet man zudem die teilweise toxischen Substanzen wie Blei oder Quecksilber, die in IT-Geräten verwendet werden, entfernt sich die IT weit vom Begriff »grün«. Unbedingt ist darauf zu achten, dass die Entsorgung sachgerecht erfolgt und erfolgen muss, da ansonsten erhebliche Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen können [5, S. 1]. Zusätzlich gilt es auch die nicht unerhebliche Menge an Elektroschrott, die durch die IT verursacht wird, sachgerecht zu entsorgen. Erschwerend kommt hinzu, dass IT-Schrott sich gar nicht oder nur mit erheblichem Aufwand wiederverwenden lässt [5, S. 1]. Green IT ist daher in seinen zwei wesentlichen Dimensionen zu definieren: Bei Green IT geht es zunächst um die umwelt- und ressourcenschonende Herstellung, Nutzung und Entsorgung bzw. Recycling von Hardware und Software. Darüber hinaus geht es um die Emissionsreduzierung durch die Anwendung von IT. Green IT Herausforderungen, Chancen und HandlungsbedarfIst die IT das Problem der CO2-Emissionen und des damit verbundenen Energieverbrauchs oder ist sie vielmehr ein Teil der Lösung? Unseres Erachtens ist sie beides. Umwelteffekte der IKT/IT, Quelle: Dr. Fichtner, Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit Unbestritten ist, dass die IT auf der Ebene der Technologie über den gesamten Lebenszyklus erhebliche Mengen an Energie benötigt. Dies gilt sowohl für die Phase der Herstellung, für den Betrieb, aber auch für die Phase der Entsorgung. Mit diesen direkten Umwelteffekten gehen sogenannte indirekte Generierungseffekte einher. IT-Bereiche neigen auf Basis der vorliegenden Hardware hinsichtlich Energieverbrauch zu übertrieben großzügiger Softwareentwicklung. Eigentlich wäre zu erwarten, dass aufgrund der erheblichen Effizienzsteigerungen auf Hardwareebene der Material- und Energieverbrauch sinkt. Allerdings treten zwei Effekte ein, die unter dem Begriff Rebound-Effekt bekannt sind. Die durch die IT bedingte Zeitersparnis wird durch neue Aktivitäten oder Nachfragen ausgeglichen bzw. gar stimuliert, zum Beispiel durch den zunehmenden Einsatz des Autos im Rahmen des Freizeitverkehrs. Außerdem ermöglicht die Steigerung der Rechen- und Speicherleistung neue rechen- und speicherintensive Softwareprogramme. Gleichwohl wird die Überalterung der Hardware durch die rechen- und speicherintensive Software beschleunigt. Negativ wirkt sich das sogenannte Miniaturisierungsparadoxon aus [7, S. 8]. Im Folgenden möchten wir den Stellenwert des Themas anhand von einigen erstaunlichen Fakten untermauern. Stellenwert des ThemasWarum hat das Thema Green IT eigentlich so viel Aufmerksamkeit gewonnen? Nähern wir uns dem Konzept, indem wir einige Fakten und Einschätzungen betrachten: - Die IT ist anerkanntermaßen ein wesentlicher Energiekonsument und erzeugt weltweit CO2-Emissionen von etwa 600 Mio. Tonnen pro Jahr. Dies entspricht dem jährlichen CO2-Ausstoß von knapp 320 Mio. Kleinwagen [1, S. 1]. In Deutschland verursachte die IT im Jahr 2007 ca. 33 Mio. Tonnen CO2-Emissionen mehr als der gesamte deutsche Luftverkehr [4, S. 2].
- Berechnungen anerkannter Marktforschungsinstitute zufolge ist die Branche der Informations- und Kommunikationstechnologie weltweit für ca. 2 Prozent des jährlichen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Dies entspricht dem CO2-Ausstoß des internationalen Luftverkehrs [5, S. 1].
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